Unsere Gedenkfeier anlässlich des 80. Jahrestages der gewaltsamen Vertriebenen deutschsprachigen Bevölkerung des Abstaller Tales fand in Slowenien und in den Medien unerwartet großen Anklang, alle berichteten über die Zwangsaussiedlung nach dem Krieg – eine erfreuliche Überraschung für Experten.
80 Jahre nach der gewaltsamen Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus dem Abstaller Feld
Dieses Jahr jährt sich zum 80.Mal die gewaltsame Vertreiubng der deutschsprachigen Bevölkerung aus dem Abstaller Feld, dei am 13. Januar 1946 stattfand. Anlässlich dieses Jahrestages hat der Kulturverein Abstaller Feld in Abstall eine Gedenkfeier und die Eröffnung einer zweisprachigen Ausstellung vorbereitet, die dem Leben und Wirken der ehemaligen deutschsprachigen Minderheit in dieser Region g3ewidmet ist. Die Ausstellung befindet sich in den Räumlichkeiten des dr. Josef Matl Hauses und ist Teil eines größren Gedenkprojekts, das dieses historische Ereignis in einem breiteren kulturellen und sozialen Kontext darstellen möchte.
Text Nika Škof
Bitteres Gedenken an den Jahrestag der Vertreibung:
Wissen Sie überhaupt etwas über die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe in Slowenien?
Bei der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Abstaller Feld wurde der Wunsch nach Anerkennung dieser Ethnogruppe als Minderheit in Slowenien erneut bekräftigt.
Anlässlich des Jahrestages der Vertreibung der deutschsprachigen Bewohner von Abstaller Feld bei Gornja Radgona/Bad Radkersburg fand am 18. Januar 2026 eine Gedenkfeier statt, an der rund 150 Personen teilnahmen, Einheimische und zumeist Nachkommen der Vertriebenen. Letztere stammen überwiegend aus dem benachbarten Österreich. Im Anschluss an die Feierlichkeiten fand ein Gedenkgottesdienst in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Abstall statt, mit einer Verbeugung vor dem Kreuz an der Außenwand der Kirche zwischen den Gedenktafeln und einem anschließenden geselligen Beisammensein.
In der durchgehend zweisprachigen Veranstaltung mitten in Abstall, im vollbesetzten Keller des Dr. Josef Matl Hauses, dem Sitz des Kulturverein Abstaller Feld, wurde eine Wander-Ausstellung eröffnet. „Die Ausstellung bietet einen Querschnitt durch das tausendjährige Leben der Abstaller Deutschen“, erklärte der erst kürzlich ernannte Sekretär des Vereins, Jan Schaller. Schaller teilte den Anwesenden außerdem mit, dass der Verein vor Kurzem in die deutsche Stiftung Verbundenheit aufgenommen wurde, die deutsche Minderheiten weltweit unterstützt.
Es ist bemerkenswert, dass von den 25 deutschen Minderheiten, die Mitglieder der Stiftung Verbundenheit sind, nur die deutschsprachige Minderheit in Slowenien in ihrem eigenen Land offiziell nicht anerkannt ist. Diese Minderheit wird gemäß dem Kulturabkommen zwischen Slowenien und Österreich von 2001 lediglich in Slowenien als „deutschsprachige ethnische Gruppe“ anerkannt. (Anmerkung des Webseite-Redakteur: In der deutschen Version des Kulturabkommens heisst es aber „deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien“)
Bei der Eröffnung der Ausstellung hielten der österreichische Botschafter in Slowenien, Konrad Bühler, und der Bürgermeister von Apače/Abstall, Andrej Steyer, Begrüßungsreden. Bühler sagte unter anderem, dass es„unsere Pflicht ist, das Andenken an die Opfer der Vertreibung als Zeichen der Versöhnung und der Verantwortung gegenüber unseren Kindern zu bewahren“. Der Bürgermeister betonte, dass wir mit der Bewahrung dieses Andenkens „keine Spaltung und keine Bevorzugung der einen gegenüber der anderen“ akzeptieren. „Lasst uns menschlich miteinander umgehen und die Vielfalt respektieren“, schloss er mit den Worten des Akademiemitglieds Dr. Anton Trstenjak.
An der Gedenkveranstaltung nahm auch die stellvertretende deutsche Botschafterin in Slowenien, Julia Kohlheim, teil. Im Mittelpunkt stand aber die Aussage einer der überlebenden vertriebenen, Waltraud Reich, die etwa neun Jahre alt war, als sie am 13. Januar 1946 deportiert wurde. An diesem Tag deportierten jugoslawische Soldaten über 2.100 deutschsprachige Einwohner aus dem Abstaller Feld und brachten sie in Viehwaggons nach Österreich. Während der wochenlangen Tortur in diesem fahrplanlosen Zug starben 77 Deportierte an Kälte und Hunger. „Unsere Familie – meine Mutter, meine Großmutter und zwei meiner Schwestern – entkamen dieser Tragödie glücklicherweise. Meine Mutter holte uns in Wien aus dem Zug, bevor die Sowjets den Zug nach Jugoslawien zurückschickten. Wir ließen uns dann in Österreich bei Verwandten in Strass nahe der Grenze nieder. Im unabhängigen Slowenien besuchte ich mehrmals unseren Hof, von dem wir vertrieben worden waren, und lernte wunderbare Menschen kennen, Slowenen, die sich hier angesiedelt hatten. Ich pflege bis heute engen und echten Kontakt zu ihnen.“
Die Gedenkveranstaltung und Ausstellung wurde vom österreichischen Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten, dem slowenischen Kulturministerium, Regierund dem Land Steiermark und der Gemeinde Apače/Abstall finanziellunterstützt
Text von Boris Jaušovec
e-mail: STEIERMARK.STAJERSKA@GMAIL.COM
Redakteur: Jan Schaller
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