(Ur)Quelle des Lebens – Wasser und Liebe

Die Komposition „Wellen“ der Komponistin und Dirigentin Meta Podlesnik Marčič wurde nicht nur gesungen, sondern auch durch Bewegungen illustriert.

Die Komposition „Wellen“ der Komponistin und Dirigentin Meta Podlesnik Marčič wurde nicht nur gesungen, sondern auch durch Bewegungen illustriert.

      Der Hugo-Wolf-Kammerchor hat für das Ende des Jahres 2026 drei Projekte vorbereitet. Das erste Konzert mit dem aussagekräftigen Titel (Ur)Quelle des Lebens“ fand am 17. Oktober 2026 in der St. Aloysius Kirche am Hauptplatz in Marburg statt. Der Hugo-Wolf-Kammerchor unter der Leitung von Aleš Marčič und Meta Podlesnik Marčič wurde von ehemaligen und aktuellen Solisten des Robert-Stolz-Vokalstudios unterstützt.

      Wasser und Liebe sind universelle Symbole menschlichen Daseins – das eine als Quelle des Lebens, das andere als seine innere Kraft. Das Projekt (Ur)Quelle des Lebens beruht auf der Überzeugung, dass kulturelle Identität und Gemeinschaft im Dialog zwischen Natur und Mensch, zwischen Sprachen und Kulturen sowie zwischen Vergangenheit und Gegenwart entstehen. Musik bildet dabei eine Brücke, die verbindet und Raum für Verständnis, Nähe und Miteinander schafft.

Das dramaturgisch konzipierte Konzert gliederte sich in drei Abschnitte. Es begann mit der Liebe als symbolischer und geistiger Quelle menschlichen Daseins, verband sie anschließend mit dem Element Wasser und mündete schließlich in die Welt des Wassers als Quelle des Lebens, der Bewegung und der Wandlung.

Im ersten Teil begegneten dem Publikum unterschiedliche Formen der Liebe, präsentiert durch Kompositionen von Kumar, Makor, Schumann und anderen, die Liebe in all ihren Facetten offenbart das menschliche Bedürfnis nach Nähe, Zugehörigkeit und Verbundenheit. Die Zuhörer wurden mit verschiedenen Liebesbildern konfrontiert, von der weltlichen und romantischen bis hin zur spirituellen, die das Individuum transzendiert und zum verbindenden Element der Gemeinschaft wird.

Im zweiten Teil verwoben sich Liebe und Wasser zu einer gemeinsamen musikalischen Erzählung. Meer, Schifffahrt und Wasser wurden zu Bildern von Begegnung, Sehnsucht und Verbundenheit und machten den zentralen Gedanken des Projekts sichtbar: Das Leben wird gleichermaßen von den Kräften der Natur wie von den Beziehungen zwischen Menschen geprägt.

Der abschließende, dritte Teil wurde dem Wasser gewidmet. Flüsse, Regen, Wellen und das offene Meer stehen dabei für Bewegung, Prüfung, Reinigung und Erlösung. Das Wasser erscheint als Urbild des Lebens und als Kraft, die Wandel und Aufbruch ermöglicht. Besonders interessant war das musikalische und szenische Werk „Wellen“ der Dirigentin Meta Podlesnik Marčič, das von einem Schiffbruch erzählt und Fragen zu Angst, Verlust und Hoffnung aufwirft

Der Konzertabend endete mit dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Strauss, der von allen mitwirkenden Sängern gemeinsam gesungen wurde. Nach langem Applaus wurde als Zugabe noch ein bekanntes Kärntner Volkslied gesungen: »Dort, wo der klare Fluss Zila fließt«

Das Konzert betonte die interkulturelle Verbundenheit, den Reichtum der Sprachen und musikalischen Traditionen sowie die Zugehörigkeit zum europäischen Kulturerbe. Damit überschreitet es den Rahmen einer musikalischen Veranstaltung und wird zu einer kulturellen Erzählung, die das Publikum auf emotionaler, ästhetischer und identitätsstiftender Ebene anspricht. Es zeigt, dass Kunst ein lebendiger Strom ist – ein Raum, in dem Sprachen, Kulturen, Geschichten und Menschen einander begegnen.

Foto: Gerhard Angleitner

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