Strauß und Stolz wieder in Marburg an der Drau

Nach dem Konzert kam ein langer Aplaus

    Und wir haben ihm begegnet, dem Robert Stolz- nicht direkt und doch lebendig – in seinen unvergänglichen Melodien im Marburger Theater. Zum 50. Todestag des Dirigenten und Komponisten Robert Stolz und zum 200. Geburtstag von Johann Strauß jun. veranstaltete der Kulturverein der deutschsprachigen Frauen „Brücken“ ein Gedenkkonzert im Casino-Saal des Theaters. Die musikalischen Darbietungen wurden vom Hugo-Wolf-Kammerchor und den Solisten des Gesangsstudios Robert Stolz unter der Leitung von Aleš Marčič präsentiert. Ehrengast im Ensemble war die in Marburg geborene international gefeierte Opernsängerin und Sopranistin Sabina Cvilak.

Im vollbesetzten Casino-Saal konnte als Ehrengast Robert Stolz’s Großneffe Hans Stolz begrüßt werden.

Der beliebte „Walzerkönig“ Johann Strauß jun. wurde am 25. Oktober vor 200 Jahren geboren, sein „Erbe“ Robert Stolz starb am 27. Juni vor 50 Jahren. „Niemand hat mehr für Wien als Musikstadt getan als Strauß, und niemand hat Wien weltweit so populär gemacht wie Stolz“, betonte der Moderator des zweisprachigen Konzerts, Tomaž Dietinger, zur Eröffnung des Konzertabends.

Als der 18-jährige Stolz dem Familienfreund Strauß erzählte, dass er nach Marburg gehe, um dort Kapellmeister in der Oper zu werden, erwähnte der Meister unsere Stadt als einen angenehmen Ort – er kannte sie also oder fuhr zumindest auf der Südbahn durch Marburg in wärmere Gegenden. Aus diesem Gespräch stammt jedoch eine noch bedeutendere Empfehlung für den jungen Musiker: »Bleib bei der Operette und der leichten Musik – dafür bist du geboren!« Stolz verlor keine Zeit und begann bereits in Marburg, wo er Dirigent von 1898 bis 1901war, mit dem Komponieren seiner ersten Operette Studentenscherz. Über Stolz’ dreijährigen Aufenthalt in Marburg gibt es noch immer einige wahre Anekdoten.

 

Robert Stolz erfüllte Strauß‘ Prophezeiung mehr als eindrucksvoll mit 60 Operetten, 100 Filmmusiken, 2.000 Liedern, 19 Eis-Shows und vielem mehr. Seine letzte Komposition (op. 1275) war die Hymne der Vereinten Nationen. Zu Recht wird er als Strauß’ Erbe und als »letzter Meister der Wiener Operette« bezeichnet. Über sich selbst hinterließ er folgende Worte: »Wenn meine Melodien einen Platz in den Herzen der Menschen gefunden haben, dann weiß ich, dass ich meine Aufgabe erfüllt habe – und wünsche mir nichts weiter.« Am offenen Sarg im Foyer der Wiener Staatsoper erwiesen ihm 100.000 Menschen die letzte Ehre.

All dies dürfte den Musikliebhabern im Casino-Saal des Marburger Theaters eigentlich gar nicht erklärt werden müssen in der vorwiegenden Operettenmusik bestens auskennen.
Zu Beginn des Konzerts begeisterten die Solisten des Gesangsstudios Robert Stolz mit Kompositionen von Robert Stolz, darunter „Bisschen Liebe tut gut, „Auf der Heide blühn die letzten Rosen, Die ganze Welt ist himmelblau, Auch du wirst mich einmal betrügen«. Anschließend erklangen zwei Melodien von Johann Strauß jun. aus den Operetten „Der Zigeunerbaron“ und „Eine Nacht in Venedig“, mit den Solisten, die vom Frauenchor des Hugo-Wolf-Kammerchors begleitet wurden.

Vokalatelier Robert Stolz vereint Vokalsolistinnen und -solisten, die ihre Gesangsausbildung an verschiedenen Musikschulen und Universitäten im In- und Ausland erworben haben. Ihre Leidenschaft für musikalische Interpretation bringen sie durch Aufführungen von Operetten- und Opernrepertoire, Musicals sowie Liedern aus unterschiedlichen Musikepochen zum Ausdruck. Einen besonderen Platz widmen sie dem außergewöhnlichen Werk des Komponisten und Dirigenten Robert Stolz (1880–1975), einem international anerkannten Musiker, der seine Karriere im Alter von achtzehn Jahren in Marburg als Dirigent im Stadttheater begann (1898–1901). Das Ensemble arbeitet unter der künstlerischen Leitung von Aleš Marčič innerhalb des Kulturvereines deutschsprachiger Frauenvereins Brücken. Die Melodien „Himmelblaue Träumen, Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit, Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n und Mein Herz ruft immer nur nach dir, oh Marita« von Robert Stolz wurden von den Solistinnen präsentiert.
„Höhepunkt des Konzerts war der Auftritt der Opernsängerin des Marburger Nationaltheaters, der Sopranistin Sabina Cvilak. Als Solistin sang sie Stolz’ Melodien Pierrot, komm, trag mich nach Haus und die Arie der Jadea aus der Operette Venus in Seide. Im Duett mit Bogdan Stopar erklang Stolz’ berühmte Melodie „Zwei Herzen im Dreivierteltakt.

Die in Marburg geborene Sopranistin Sabina Cvilak trat bereits während ihres Studiums in Graz am Stadttheater Leoben auf. Besondere Aufmerksamkeit erregte sie nach ihrem Wiener Debüt in Blochs Oper Macbeth. Sie war Stipendistin des Karajan-Stipendienfonds und Mitglied der Wiener Staatsoper. In der Rolle der Liù (Puccini: Turandot) sang sie an der Hamburgischen Staatsoper, an der Oper in Singapur und an der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Auf Einladung von Plácido Domingo debütierte sie in der Saison 2007/2008 als Mimì (Puccini: La bohème) an der Washington National Opera und erhielt hervorragende Kritiken.

Im zweiten Teil des Konzerts präsentierten die Solisten und der Hugo-Wolf-Kammerchor Strauss’ Melodien aus der Operette „Die Fledermaus“ und Orlovskys Arie „Ich lade gern mir Gäste ein, das Duett von Rosalind und Alfredo: Trinke, Liebchen, trinke schnell, sowie die Melodien Im Feuerstrom der Reben, Herr Chevalier, ich grüsse Sie! und Brüderlein und Schwesterlein«.
Der Hugo Wolf Kammerchor wurde im Jahr 2010 anlässlich des 150. Geburtstags des Komponisten Hugo Wolf gegründet, der in Marburg das Gymnasium besuchte und dort auch seine ersten Werke schrieb.

Unter der Leitung des Chorleiters und Musikpädagogen Aleš Marčič umfasst das Ensemble derzeit rund 40 Sängerinnen und Sänger. Besonderes Augenmerk legt der Chor auf die Erinnerung an Komponisten, die mit Marburg verbunden waren – neben Wolf auch Eduard Lannoy, Robert Stolz, Rudolf Wagner, Valentin Lechner, Emil Hochreiter und andere.

Den Abschluss des Konzertes bildete Strauß’ berühmteste Melodie „An der schönen blauen Donau “. Alle kennen diese Melodie, aber nur wenige wissen, was uns der Konzertmoderator Tomaž Dietinger erzählte: die Komposition „An der schönen blauen Donau“ die im Jahr 1867 von Johann Strauß jun. komponiert wurde und als Walzer ursprünglich für den Wiener Männerchor mit satirischem Text geschrieben wurde, und mit den humorvollen Versen begann: „Wiener seid froh! Oho! Oho! Warum? Warum?“

Erst später erhielt die Melodie eine feierlichere, lyrische Fassung, die die Schönheit der Donau preist: „Donau so blau, so schön und blau…“ Als die Komposition ihre bekannteste Orchesterfassung bekam, feierte der Walzer „An der schönen blauen Donau“ kurz nach seiner Uraufführung unglaublichen Erfolg – die Komposition erreichte schnell eine Million Auflagen – nur der Komponist selbst verdiente fast nichts daran. Strauß war nämlich vertraglich an seinen Verleger gebunden, mit dem er einen Jahresvertrag hatte, eine bestimmte Anzahl von Kompositionen pro Jahr zu schreiben. Daher erhielt er für diese Komposition lediglich 25 Goldmünzen. Soweit zur Geschichte.

Die Chorfassung „An der schönen blauen Donau “ mit dem Hugo-Wolf-Kammerchor, dem Robert-Stolz-Vokalstudio und dem Pianisten Emanuel Leomporri krönte den überaus gelungenen Konzertabend und das Publikum würdigte ihn mit einem Standing Ovation.

Der nicht enden wollende Applaus holte den Chor noch einmal auf die Bühne. Mit der Stolz-Melodie „Wenn ich zweimal leben könnte“, dankte Chorleiter Aleš Marčič mit dem Kammerchor mit seinen Solisten für den tosenden Beifall.

Mit dem neuerlich langanhaltenden Applaus bewies das Publikum ihre Begeisterung den Kammerchor und für die Melodien, die sie schon in ihrer Jugend gehört hatten. Auch die Wahl des Veranstaltungsortes, der Casino-Saal, den die Besucher in seiner ursprünglichen Form bewundern konnten, trug ebenfalls zu diesem außergewöhnlichen Kulturereignis und der Wiedergabe der zeitlosen Melodien bei, die wir noch immer so gerne hören.

Erfreulicherweise befanden sich auch junge Leute im Publikum, die von dieser wunderschönen Musik – den zeitlosen Melodien – sichtlich begeistert waren.

Ein Detail am Rande: Eine ältere Dame, die selbst mit einem Stock kaum gehen konnte, sagte mir kurz beim Verlassen des Konzerts: „Es hat sich gelohnt, hierherzukommen, obwohl ich kaum laufen kann. Fast hätte ich meinen Stock vergessen, weil ich mich wieder so jung gefühlt habe. Ja, diese schönen Zeiten sind wieder da, vielen Dank.“

Bei diesem Konzert wirkten folgende Künstler:
Als Gast des Konzerts die Sopranistin Sabina Cvilak.
Der Hugo-Wolf-Kammerchor und die Solisten unter der Leitung von Chorleiter Aleš Marčič.
Die Solisten des Robert-Stolz-Vokalstudios waren:
o Lucija Krašovec, Sopran
o Barbara Juteršek, Mezzosopran
o Bogdan Stopar, Tenor
o Blaž Stajnko, Bassbariton
Emanuele Leomporri begleitete alle am Klavier

Foto: Gerhard Angleitner

Barbara Juteršek in Blaž Stajnko, Auch du wirst mich einmal betrügen, sagt Robert Stolz

Barbara Juteršek, Lucija Krašovec in Bogdan Stopar singen Johann Straus Der Zigeunerbaron

Solisten Lucija Krašovec, Barbara Juteršek, Bogdan Stopar in Blaž Stajnko

Sabina Cvilak in Bogdan Stopar haben bei Melodie Zwei Herzen in Dreivierteltakt auch Getanzt.

Wohlverdienter Applaus

Publikum, Casino Saal war voll

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