Sterntal war im Jahr 1945 „Sterbental“

Gedenkfeier vor der Gedenktafel des ehemaligen Lagers Sterntal in Kidričevo

     Die bereits traditionelle Gedenkfeier anlässlich des Europäischen Tages des Gedenkens an die Opfer aller totalitären und autoritären Regime fand am Samstag, dem 22. August 2026, um 17.30 Uhr vor der Gedenktafel am ehemaligen Kommandogebäude des kommunistischen Lagers Sterntal im heutigen Kidričevo statt.

„Ich heiße Sie alle herzlich willkommen zur heutigen Gedenkfeier anlässlich des Europäischen Tages zum Gedenken an die Opfer aller totalitären und autoritären Regime. Ihre Anwesenheit an diesem Ort hat eine besondere Bedeutung. Damit bekräftigen wir gemeinsam, dass die Erinnerung an die Opfer nicht verblassen darf und dass wir über die Vergangenheit mit Würde, Verantwortung und Respekt gegenüber allen, die gelitten haben, sprechen müssen.

Heute stehen wir an einem Ort, der vom Leid zahlreicher Menschen geprägt ist. An diesem Ort wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Menschen inhaftiert, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen, und viele von ihnen sind hier auch gestorben. Heute können wir ihnen nicht mehr helfen und die Vergangenheit nicht mehr rückgängig machen, aber wir können ihnen etwas zurückgeben, das ihnen genommen wurde – ihren Namen, ihre Würde und ihre Erinnerung“, sagte die Moderatorin der Veranstaltung einleitend.

Festrednerin bei dieser Gedenkfeier war Suzano Lep Šimenko, Ministerin für Slowenen im Ausland und in der Welt, die bereits zu Beginn ihre Rede die damaligen Gräueltaten im kommunistischen Lager Sterntal im Jahr 1945 beschrieb, als der Ort Sterntal zum „Sterbental“ wurde.

Im kommunistischen Lager Sterntal starben nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Menschen. Im Rahmen einer Untersuchung der Geschichtsabteilung „Matej Slekovec“ beim DPD Kidričevo wurden bisher 938 bekannte Namen von Verstorbenen recherchiert, doch viele der in Sterntal gewaltsam ums Leben gekommenen Menschen haben bis heute kein Grab, an dem ihre Angehörigen eine Kerze anzünden könnten.

Genau aus diesem Grund lud die Zeremonienleiterin Silva die Anwesenden dazu ein, mit einer Schweigeminute allen Opfern zu gedenken, die ihr Leben durch Gewalt, Verfolgung und totalitäre bzw. autoritäre Regime verloren haben. Besonders gedenken wir auch jenen, die in diesem Lager ums Leben kamen und deren Gräber wir heute nicht kennen. Möge dieser Moment der Stille und des Gedenkens gerade ihnen gewidmet sein.

Noch einige Gedanken:
Die Geschichte lehrt uns, dass die Wahrheit immer ans Licht kommt. Dass Schweigen niemals heilt. Dass Versöhnung erst dann eintritt, wenn wir bereit sind, in den Spiegel zu schauen – als Einzelne und als Nation.
Vielleicht ist gerade diese Gedenkfeier ein kleiner Schritt.
Vielleicht wird eines Tages jemand von denen, die heute schweigen, den ersten Schritt machen.
Vielleicht wird die Hand der Versöhnung eines Tages ergriffen.
Bis dahin bleibt jedoch die Frage, die wie ein Schatten über uns schwebt: Sind wir Slowenen in der Lage, die Wahrheit auch dann anzuerkennen, wenn wir nicht nur Opfer, sondern auch Täter sind?
Diese Frage soll niemanden verurteilen. Sie richtet sich an uns alle.
Denn die Reife eines Volkes misst sich nicht nur daran, wie es über das Unrecht zu sprechen weiß, das ihm selbst angetan wurde. Sie misst sich auch daran, wie viel Mut es aufbringt, das Unrecht anzuerkennen, das in seinem Namen, aus seinem Umfeld oder sogar von ihm selbst begangen wurde.
Und genau deshalb müssen wir darüber sprechen.
Nicht aus Rache.
Nicht, um neue Spaltungen zu schaffen.
Sondern um die Wahrheit, der Würde der Opfer und künftiger Generationen willen.
Denn Erinnerung ohne Wahrheit ist nur Erinnerung.
Erinnerung mit Wahrheit wird jedoch auch zu einer Verantwortung.

Die Festrednerin war Ministerin Suzana Lep Šimenko

Gedenktafel am ehemaligen Kommandogebäude des Lagers Sterntal

: Liste mit 938 bekannten Namen von Opfern des Lagers

Das ehemalige Kommandogebäude des Lagers erinnert mit dem Stern an der Fassade noch immer an jene Zeiten des Lagers.

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