Reschitze - 26. Steirertreffen der Steirer aus drei Ländern

Logo-Schild des 26. Steirertreffen aus den drei Ländern

       Nach einer touristischen Besichtigung des Zentrums von Temeswar fuhren wir mit dem Bus zu unserer zweiten Destination in Reschitza, wo sich die zweite deutsche Insel in der rumänischen Provinz Banat befindet, die sogenannten Berglanddeutschen, im Süden, im hügeligen Teil des rumänischen Banats. Österreicher, vor allem aus der Steiermark, kamen zu Beginn des 18. Jahrhunderts in dieses Gebiet, als die Habsburger ihre Einwohner zur Erkundung der Bodenschätze des Banats schickten. Interessanterweise identifizierten sich diese neuen Siedler als Steirer, behielten den steirischen Dialekt und ihre heimatlichen Bräuche bis heute bei. Deshalb sind sie auch heute noch eng mit dem österreichischen Bundesland Steiermark verbunden, die auch die deutschsprachige Minderheit in diesem Teil Rumäniens unterstützt, fördert und damit auch bewahrt. In den goldenen Zeiten gab es bis zu 30.000 Berglanddeutsche in dieser Region, heute zählt diese Volksgruppe rund 1.500 Mitglieder.

      Reschitza hat vier Namen: Resita auf Rumänisch, Resicabanya auf Ungarisch und Rešica auf Serbisch. Ursprünglich war es ein serbisches Bauerndorf und so ist es nicht verwunderlich, dass es hier eine orthodoxe Kathedrale, eine römisch-katholische Kirche und eine evangelische Kirche gibt. Reschitza, dass früher 100.000 Einwohner hatte, hat heute etwa 75.000 Einwohner, davon 1.000 Deutsche.

     Die größte Entwicklung erlebte Reschitza in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als Maria Theresia mit dem Aufbau einer Eisenindustrie in der Region begann, die sich zum wichtigsten Zentrum der Schwerindustrie im Südosten entwickelte. Ab 1872 wurden sie zu den bedeutendsten Lokomotivherstellern (heute sind in einem Freilichtmuseum alle Arten von Lokomotiven zu sehen) und stellten Turbinen und Schiffsschrauben her. Leider erlebte auch Reschitza den Zusammenbruch der Eisenindustrie und die größte Abwanderung von Einwohnern nach Deutschland.
Im alten Teil der Stadt, der immer noch als deutscher Teil bezeichnet wird, verfügt das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen, das als offizielle anerkannten deutsche Minderheit in Rumänien ist, über ein eigenes Kulturzentrum, Geschäftsräume, eine deutsche Bibliothek und einen Hörsaal für Sitzungen und Veranstaltungen. Das Kulturzentrum trägt den Namen Alexander-Tietz-Zentrum, nach Alexander Tietz (1896-1978), einem Schriftsteller, Philosophen, Deutschlehrer und Erforscher des nationalen Reichtums.

     Da wir bereits mit dem Bus zu spät zur Veranstaltung kamen, konnten wir das Freilichtmuseum für Eisenbahnlokomotiven nur vom Bus aussehen. Im Kulturzentrum erwarteten uns bereits die Gastgeber für den offiziellen Teil des 26. Steirertreffens der drei Länder, der heimischen Steirer aus dem Banater Bergland, der Steirer aus dem österreichischen Bundesland Steiermark, organisiert vom Alpenländischen Kulturverband Graz, und der Steirerinnen aus der Untersteiermark – dem Kulturverein deutschsprachiger Frauen “Brücken” aus Marburg an der Drau.

    Bei diesem Treffen wurde der neue Präsident des Alpenländischen Kulturverbandes Graz, Dr. Alexsander Maicovski, vorgestellt, der den bisherigen langjährigen Präsidenten, Dr. Reinhold Reimann, der Ehrenpräsident geworden ist, ablöste. Wir haben ihn bei diesem Treffen zum Erfinder des Steirertreffens der drei Länder erklärt, denn ohne ihn und seine Hilfe hätte es diese langjährige Veranstaltung nicht gegeben. Es folgten Reden und dazwischen spielten unsere Grazer Musiker. Der Hauptteil des Treffens war Kulturprogramm, in dem die Mitglieder des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen „Brücken“ aus Marburg, aus dem 21. Band des Buches ZWISCHEN MENSCHLICHE BINDUNGEN gelesen haben. Wir stellten dem Publikum die in der Sammlung veröffentlichte literarischen Werke in Prosa und Lyrik der Mitglieder vor.

     Wir begannen mit eher düsteren Texten, mit unglücklichen Geschichten – mit Erinnerungen an den Ersten und Zweiten Weltkrieg, mit einem fast kriminellen Buch von Cvetka Vidmar, Die zweite Tür links, und mit einer heiteren Geschichte von Ana-Maria Pušnik (Mitbegründerin des Vereins), in der es um eine Heiratsvermittlung geht, bei der die Inhaberin in Wirklichkeit selbst einen männlichen Partner sucht, die von Veronika Haring, der Vorsitzenden des Vereins, gelesen wurde. Alle Texte finden Sie in unserem 21. Tagungsband für 2022

   Wir beendeten den zweiten Abend unserer Reise in Rumänien mit Lächeln im Gespräch bei unseren Gästen im Reschitza.

Text Jan Schaller

Plakat, Präsentation des 21. Buches ZWISCHENMENSCHENCHLICHE BINDUNGEN.

Das Alexander-Tietz-Zentrum, mit dem Denkmal von Alexander Tietz (1896-1978) auf der linken Seite

Das Schild vor dem Eingang des Kulturzentrums, auf dem auch alle Aktivitäten des Zentrums in Bildform dargestellt sind

Das Präsidium des 26. Steirertreffens, links Ehrenpräsident Dr. Reinhold Reimann, in der Mitte Veronika Haring und rechts der Gastgeber Erwin Tigla

Der neue Präsident des Alpenländischen Kulturverbandes Graz, Dr. Alexsander Maicovski, bei seine einweihungs Rede

Lesung von Texten aus dem 21. Band des Buches

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