Jahrestag der Vertreibung in Abstaller Feld

Kirche Mariä Himmelfahrt in Abstall/Apače. Nach der Unabhängigkeit Sloweniens wurden neben dem Kreuz zweisprachige Gedenktafeln mit den Namen von Mitbürgern angebracht, die während des Krieges gefallen sind oder während oder nach dem Krieg getötet wurden. Eine vollständige Liste der Gefallenen und Getöteten - Totengedenkbuch befindet sich in der Kirche.

     Anlässlich des tragischen Jahrestages der Deportation deutschsprachiger Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Kulturverein Abstaller Feld zu einer Gedenkmesse in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Abstall/Apače eingeladen.

Diese fand am Sonntag, den 12. Januar 2024, vor dem Jahrestag des 13. Januar 1946, dem traurigsten Ereignis im Abstaller Feld, statt. An diesem 13. Januar 1946 haben die damaligen kommunistischen Machthaber alle deutschsprachigen Einheimische, die seit Jahrhunderten in diesem Teil lebten, gewaltsam ausgesiedelt.

Diese Vertreibung hat der Historiker Dr. Ivan Rihtarič in seiner Dissertation, die in Buchform unter dem Titel „Staatssicherheit-Aktivitäten im Bezirk Ober Radkersburg von1945-1950“ veröffentlicht wurde, ausführlich beschrieben.

Dr. Ivan Rihtarič, der neue Obmann des Abstaller Vereines, betonte: „Diese Gedenkmesse und die Einweihung vor der Kirche mit der Kranzniederlegung vor den Gedenktafeln für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit, ist nach einigen Jahren der Stagnation eine neue Wiederbelebung des Vereines“ und berichtete weiter, dass der Verein auch bald die Schlüssel für das Haus von Dr. Matl in die Hände bekommen wird. 2026, zum 80. Jahrestag der tragischen Ereignisse, ist eine große Gedenkveranstaltung geplant.

Den zweisprachigen Gedenkgottesdienst, dessen Hauptbotschaft der Frieden war und sich das Unglück nicht wiederholt, leitete der örtliche Pfarrer Janez Ferencek mit Unterstützung des Pfarrers Ignaz Domej von der anderen Seite der Mur, also aus dem benachbarten Österreich, vor rund 80 Anwesenden, darunter auch der Bürgermeister von Abstall/Apače Andrej Steyer. Der neue Sekretär des zweisprachigen Kulturvereins Jan Schaller, erläuterte in seiner Gedenkrede in der Kirche:

Es war Sonntag wie heute, aber es war der 13. Januar 1946, ein sehr unglücklicher Sonntag in der Geschichte von Abstallern.

Während der Sonntagsmesse in dieser Pfarrkirche wurden die Einheimischen von den neuen kommunistischen Machthabern gestört. Die haben die Sonntagsmesse in deutscher Sprache unterbrochen und forderten die Anwesenden auf, „sie haben 10 Minuten Zeit, nur das Nötigste mitzunehmen – maximal 10 kg“

Der Mur-Fluss wurde nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie Grenzlinie und das Abstaller Feld wurde ein Teil vom Königreich Jugoslawien, was für die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung eine große Umstellung bedeutete, an die sie sich zunächst nur schwer gewöhnen konnte.

Trotz der slowenischen Schulen im Königreich Jugoslawien behielten rund 3.000 Einheimische im Abstaller Feld Deutsch als Umgangssprache bei. Die meisten erwarteten bessere Zeiten mit dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich. Aber schon nach wenigen Wochen bedeutete die Nazi-Besatzung für viele slowenische Nachbarn Deportationen. Aber auch den Deutschen im Abstaller Feld wurde nichts Gutes prophezeit. Einige wurden schon während des Krieges von Partisanen verschleppt, andere Mitte Mai 1945 ohne Urteil ermordet, es folgten Deportationen in das kommunistische Lager Sterntahl, heute Kidričevo. Als es schien, dass am Ende des Jahres 1945 für die Abstaller-Deutschsprachigen das Schlimmste vorbei war, dass sie in ihrer deutschsprachigen Volksgruppe weiterhin isoliert leben könnten, ereignete sich der unglückliche Sonntag, der 13. Januar 1946, der alles verändert hat.

2181 deutschsprachige Einheimische aus 26 Dörfern wurden auf Militärlastwagen verladen. Mindestens ein Drittel davon waren Kinder, der Älteste war 101 Jahr alt. In Radkersburg warteten bereits Viehwaggons auf sie.

In der Januar-Kälte begann der Transport von 84 vollen Viehwaggons auf den Schienen quer durch Ungarn, nach Wien, eigentlich nach Wienerneustadt. Die neuen Machthaber der Russen-Sowjets wollten aber die Abstaller-Deutschsprachigen nicht übernehmen. Die versprochene neue Heimat Österreich wurde somit neue Vertreibung. Es folgte die Rückfahrt in Viehwaggons zurück zur ungarisch-jugoslawischen Grenze, nach Murakerresztur, wo sie drei Wochen in der bitteren Kälte gelitten haben. Während dieser Zeit starben 77 Menschen an Hunger und Erfrierungen.
Nach drei Wochen übernahmen die jugoslawischen Behörden sie wieder und brachten sie dann an ihren Häusern vorbei quer durch Slowenien nach Jesenice, wo sie den Österreichern übergeben wurden.

Leere Häuser blieben nicht lange leer. Es wurden Kolonisten einquartiert, die plötzlich Besitzer von Bauerhöfen wurden. Aber auch den neuen slowenischen Eigentümern gehörte das nicht lange, da die neuen kommunistischen Machthaber alles verstaatlichten und die Bauernhöfe in Staatseigentum übergingen.“

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte das Abstaller Feld zum Königreich Jugoslawien, während der Radkersburg-Winkel jenseits der Mur zur Republik Österreich gehörte, erklärte noch Dr. Rihtarič am Rande der Veranstaltung. Nach dem Ersten Weltkrieg war bereits ein Teil der deutschsprachigen Bevölkerung aus dem Abstaller Feld weggezogen, aber diese war nicht erzwungen. Damals kamen auf die leeren Bauernhöfe die Kolonisten aus Prekmurje. Zwischen den beiden Kriegen war das Verhältnis zwischen deutsch- und slowenischsprachigen Einwohnern immer noch überwiegend deutsch, nämlich 72 zu 28. Nach dem Zweiten Weltkrieg, nach den Zwangsvertreibungen, bekannten sich nur 68 Einwohner des gesamten Bezirks Ober Radkersburg als Deutsche, und nur noch 51 aus den Dörfern im Abstaller Feld.

Nach der Unabhängigkeit Sloweniens konnten die enteigneten deutschsprachigen Vertriebenen im Rahmen der Entnationalisierung die Rückgabe ihres Eigentums verlangen. „Diejenigen, die nach 1960 in Österreich eine Entschädigung beantragten, bekamen diese jedoch nicht zurück“, beklagte Dr. Rihtarič. So wurde zum Beispiel, das schöne Schloss Freudenau im nahegelegenen Schirmdorf/Črnci, das einst der Familie Julius Meinl, dem berühmten Kaffeegroßhändler, gehörte, nicht zurückerstattet. Und so ist er total verfallen, jetzt ist dort eine Ruine und nicht mehr Schloss.

Gedenkgottesdienst wurde zweisprachig vom örtlichen Pfarrer Janez Ferencek und Ignaz Domej von der anderen Seite der Mur zelebriert,

Die Lesung in slowenischer Sprache von Veronika Haring

Die Lesung in deutscher Sprache von Roland Reinthaler

Kreuz an der Außenwand der Kirche mit einer Liste von Namen und Gedenktafeln in slowenischer und deutscher Sprache

Einweihung des Kreuzes vor der Kirche

Niederlegen von Blumen und Entzünden von Kerzen zum Gedenken

Menu