Abschiedsrede von Jure Legvart im Namen des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen „Brücken“ und des Hugo-Wolf-Kammerchors

Sehr geehrte Trauergemeinde
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von der unersetzlichen Veronika Haring und sprechen ihren Töchtern Petra und Martina, ihren Enkelinnen Paula, Ema und Eva sowie ihrem Enkel Jakob unser tiefstes Beileid aus.
Noch nicht ganz erwachsen, verließ Veronika das einfache und ruhige Jakobski dol und begab sich in die komplexe und unruhige Welt der ständigen Lebensprüfungen. Mit ihrer Klugheit und ihrem Mut wollte sie sich nicht dem allgemeinen Strom hingeben, sondern ging ihren eigenen Weg. Sie war sich bewusst, dass ihr im Leben nichts geschenkt werden würde und dass sie selbst wählen und Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen musste. Es war nicht leicht für sie und sie erlebte schwere Momente, die jeden anderen zur Verzweiflung gebracht hätten, aber nicht Veronika, die die Kraft hatte, ihr Familiennest zu schützen und neben der eigenen Familie auch vielen anderen zu helfen.
In ihrem Beruf hat sie mehr erreicht, als selbst die wohlwollendsten Feen ihr prophezeit hätten. Sie nutzte jede Gelegenheit zur beruflichen Weiterbildung, um den anspruchsvollen Wünschen ihrer Kunden in der Buchhandlung gerecht zu werden. Sie reiste zu Buchmessen in aller Welt, und ihre Neugierde trieb sie dazu, auch gerne einen Blick zwischen die Buchdeckel zu werfen. Sie beendete ihre Karriere als Geschäftsführerin.
Sie entwickelte sich zu einer Frau mit Weitblick, die viele unsichtbare Zeichen wahrnimmt. Aus ihrer Grundschulzeit erinnerte sie sich an einen prägenden Moment aufgrund ihres deutschen Nachnamens, den sie auch hätte vergessen oder ignorieren können, was sich jedoch immer wieder wiederholte.
Es kam die Zeit, in der sie sich eingehender mit ihrer deutschen Herkunft befassen konnte und feststellte, dass die Gesellschaft in dieser Hinsicht nicht gerecht ist. So begann sie ihre zweite Karriere, in der sie sich für die Verbesserung der Lage der deutschen Minderheit einsetzte.
Im Jahr 2000 gründete sie zusammen mit Gleichgesinnten den Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken – Mostovi“ und widmete sich ihm mit ganzer Leidenschaft und all ihren Fähigkeiten. Damals öffneten sich uns die Türen zur EU, die auf ethnischer Toleranz und Gleichberechtigung basiert, doch das Verschweigen der Deutschen in unserem Land steht in krassem Widerspruch dazu. Der Verein verwirklicht das Ziel, die vielen Spuren des Zusammenlebens der Kulturen in Maribor wiederzubeleben, was mit der Grund dafür war, dass die Stadt zur Kulturhauptstadt Europas wurde, was auch durch eine große Ausstellung über die Deutschen in Maribor belegt wurde. Heute zeugt davon eine ganze Bibliothek mit 25 Jahrbüchern „Zwischenmenschliche Bindungen“, die vom Verein in Veronikas Redaktion herausgegeben wurden.
Die Kulturen können sich am leichtesten durch Musik annähern, weil sie eine universelle Sprache spricht. Deshalb hat der Verein von Anfang an Musikkonzerte veranstaltet, doch wirklich entwickelt hat sich diese Aktivität mit der Gründung des Kammerchors im Jahr 2010, der nach dem Komponisten Hugo Wolf benannt ist, der in Maribor seine ersten Schritte schrite als Komponist machte. Der Chor wurde sofort zur auffälligsten und angesehensten Aktivität des Vereins, die im heimischen und internationalen Musikbereich Widerhall findet. Veronika hat alles in ihrer Macht Stehende getan, damit der Chor angemessene Bedingungen für seine Arbeit hatte, wofür wir ihr sehr dankbar sind.
Die liebe Veronika ist nicht mehr unter uns, aber ihre Vision vom Zusammenleben der Kulturen und der Offenheit der Stadt gegenüber der Welt bleibt uns erhalten, ebenso wie die bleibende Erinnerung an die wichtige Arbeit, die sie aus Liebe zu ihrem Volk und zu Slowenien geleistet hat.

Dr. Konrad Bühler, österreichischer Botschafter in Slowenien
Sehr geehrte Trauergemeinde,
sehr geehrte Familie Haring,
sehr geehrte Damen und Herren !
Zu Beginn des neuen Jahres sind wir heute aus einem traurigen Anlass zusammengekommen: um von Frau Veronika Haring Abschied zu nehmen. Viele von Ihnen kannten und schätzten sie schon seit Jahrzehnten, ich durfte sie erstmals im Dezember 2024 als damals neuer österreichischer Botschafter beim Adventkonzert des Hugo-Wolf Kammerchors in Marburg kennenlernen.
Aus ihrem Leben und Wirken können wir erkennen, dass Veronika Haring ein besonderer Mensch war. Als Angehörige der deutschsprachigen Volksgruppe war ihr Lebensweg von Herausforderungen geprägt. Sie musste schon in ihrer Kindheit erfahren, was Ausgrenzung und Diskriminierung bedeuten.
Trotz ihres persönlichen Schicksals hat sie jedoch nicht Hass entwickelt, sondern Herzensgüte: sie hat Initiativen gesetzt, um Gräben zu überwinden und Brücken zu bauen. Sie hat das Verbindende vor das Trennende gestellt. Gerade darin liegt ihre besondere Bedeutung – für Slowenien wie für Österreich. Veronika Haring war eine Brückenbauerin im besten Sinne – leise, beharrlich und von großer innerer Stärke und Ausdauer.
Mit der Gründung des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen BRÜCKEN im Jahr 2000 schuf sie einen Raum, in dem kulturelle Identität bewahrt und offen gelebt werden konnte. Dieser Verein wurde zu einem Ort der Verständigung zwischen Minderheit und Mehrheitsbevölkerung und zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Veronika Haring verstand Kultur und Musik stets als Brücke. Die von ihr initiierten Sprachkurse, Lesungen, Vorträge und künstlerischen Projekte richteten sich bewusst nicht nur an die deutschsprachige Minderheit, sondern an alle Interessierten. Damit leistete sie einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und zum gegenseitigen Verständnis.
Besonders sichtbar wurde dieses verbindende Wirken durch die Gründung des Hugo-Wolf Kammerchors, der aus dem Kulturleben Sloweniens nicht mehr wegzudenken ist. Wenn dort gemeinsam auf Deutsch oder Slowenisch gesungen wird, wenn er mit Chören aus ganz Europa gemeinsam auftritt, dann wird das vereinte Europa im Kleinen gelebt – durch die verbindende Kraft der Musik.
Für die Österreichische Botschaft war Veronika Haring eine wichtige Ansprechpartnerin der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien. Sie setzte sich unermüdlich für deren Anliegen ein, stets mit dem Ziel der Verständigung und des Ausgleichs, nicht der Konfrontation. Für ihr außergewöhnliches Wirken hat die Republik Österreich Frau Haring im Jahr 2018 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen – als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für ihren Beitrag zu Kultur, Minderheitenschutz und zur Vertiefung der Beziehungen zwischen Österreich und Slowenien.
Heute trauern wir um Veronika Haring mit ihrer Familie. Unser besonderes Mitgefühl gilt ihren Töchtern Petra und Martina sowie ihren Familien. Für sie war Veronika Haring Mutter, Großmutter und Rückhalt. Für viele andere war sie Vorbild, Zuhörerin und Wegbereiterin.
Als österreichischer Botschafter verneige ich mich vor einem Leben im Dienst der Verständigung zwischen den Volksgruppen. Wir sagen Danke – für Mut, für Ausdauer und für den festen Glauben daran, dass Dialog stärker ist als Trennung.
Der Tod beendet ein Leben, doch er beendet nicht das Wirken eines Menschen. Was Frau Haring geschaffen hat, wird weiterwirken: in der Arbeit des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen BRÜCKEN und der Musik des Hugo-Wolf Kammerchores, und in allen Begegnungen zwischen Menschen deutscher und slowenischer Sprache.
Veronika Haring wird in der Geschichte der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien und den Beziehungen zwischen Österreich und Slowenien einen bleibenden Platz behalten.
Ruhe in Frieden.
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Redakteur: Jan Schaller
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