Advent-Weihnachts-Konzert der Marburger „Brücken“in der Pfarrkirche Pobersch am 15. Dezember 2024
Pobersch/Pobrežje ist ein südlich der Drau gelegener Bezirk der Stadt Marburg an der Drau (Maribor). Dort liegt zu beiden Seiten der „Cesta 14. Divizije“ (Fraustaudner Straße; slowenischer Name nach der 14. Partisanen-Division, die 1945 die Untersteiermark besetzte) der Marburger Stadtfriedhof (Pobreško pokopališče = Poberscher Friedhof).
An seiner Stelle befand sich seit 1879 ein Friedhof, der 1937 zum Stadtfriedhof (Zentralfriedhof) erweitert wurde und zum slowenischen Kulturdenkmal erklärt wurde. Nähert man sich dem Friedhof durch die erwähnte Straße von Südosten her, liegt zur linken Hand ein in den 1980/90-er Jahren errichtetes katholisches Gemeindezentrum mit der Pfarrkirche „Zur heiligen Mutter Maria“ (župnijska cerkev sv. Marije Matere).
Dort hatte bereits vor zwei Jahren – am 11. Dezember 2022 – das Weihnachtskonzert des Hugo-Wolf-Kammerchores stattgefunden (siehe L&W 70/1, 2023, 25–27). Auch im Dezember 2024 bot die moderne, interessant gestaltete Kirche dem Chor den idealen akustischen Rahmen für ein Advent-Weihnachts-Konzert.
Im überkuppelten Bau kann sich Musik wunderbar entfalten – so auch diesmal, da drei Ensembles bei der Gestaltung eines vorweihnachtlichen und weihnachtlichen Programms eindrucksvoll zusammenwirkten – im ersten Teil von der Empore herab.
Der Hugo-Wolf-Chor widmete seinen Part drei musikalischen Jahresregenten: Anton Bruckner (1824–1896), Gabriel Fauré (1845–1924), Peter Cornelius (1824–1874). Zunächst hörten wir drei beliebte, oft aufgeführte Chöre von Bruckner: „Locus iste“ (Dieser Ort … ist von Gott geschaffen), „Pange lingua“ (Besinge, o Zunge) und „Ave Maria“ (Gegrüßet seist du, Maria) – alle mit ergreifend schöner Phrasierung und Dynamik vorgetragen.
Die beiden folgenden Werke von Fauré – „Cantique de Jean Racine“ (Gesang von Jean Racine; dieser war ein französischer Tragödienautor) und „Il est né le devin enfant“ (Es ist geboren das göttliche Kind; französisches Weihnachtslied) wurden von der Orgel (Matej Podstenšek) und zwei Solisten (Barbara Juteršek – Mezzosopran; Bogdan Stopar – Tenor) mitgestaltet. Das deutsche Sternsingerlied „Die Könige“ von Cornelius erfreute sich der schönen Solostimme von Blaž Stajnko (Bass).
Auch die beiden anderen Gesangsgruppen sangen zunächst von der Empore herab. Das Männerensemble „Vokalni ansambel virilis“ brachte das englische Weihnachtslied „Hitite, kristjani“ (Eilt, ihr Christen) von Anton Foerster (1837–1926; tschechisch-slowenischer Komponist). Das „Vokalatelier Robert Stolz“ bot das Deutsche Weihnachtslied „Mariä Wiegenlied“ von Max Reger (1873–1916); Solisten: Dora Ožvald (Sopran), Barbara Juteršek (Mezzo); an der Orgel Matej Podstenšek.
Im zweiten Teil des Konzertabends nahmen die Ausführenden im Altarraum Aufstellung. Unter Mitwirkung der bereits genannten Solisten trug das Vokalensemble „Virilis“ nun je ein slowenisches, ein kroatisches und ein deutsches Weihnachtslied vor. Darauf folgte das Robert-Stolz-Vokalatelier mit zwei slowenischen Weihnachtsliedern und dem von Robert Stolz komponierten „Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit“. Am Klavier begleitete Matej Podstenšek.
Nun trat wieder der Hugo-Wolf-Chor auf und begeisterte mit vier in lateinischer Sprache gesungenen Chören: „Alleluia“ (Lobpreiset) des kanadischen Komponisten Richard Manuel (1943–1986); „Caritas numquam excidit“ (Liebe hört niemals auf; 1. Kor. 13, 1–8) des zeitgenössischen slowenischen Tonschöpfers Meta Podlesnik Marčič; „O salutaris hostia“ (O Opferlamm, das Heil uns schenkt) des ebenfalls zeitgenössischen lettischen Komponisten Ēriks Ešenvalds (* 1977); „Gaudete – Piae cantiones“ (Freuet euch – Fromme Lieder) des Franzosen Jules Cohen (1830–1901).
Zum stimmungsvollem Abschluss vereinten sich die drei Klangkörper zum „Shepherds’ Medley“ (Hirten-Potpourri), aus welchem allmählich die „Stille Nacht“ (Mohr/Gruber) erstand. Der stürmische Beifall erzwang noch eine Zugabe: das slowenische Weihnachtslied „Ko so pastirji“ (Als die Hirten … das Feuer entzündeten).
Als prominenter Konzertbesucher konnte der neu ernannte österreichische Botschafter in Laibach/Ljubljana, Dr. Konrad Bühler, begrüßt werden. Er, der selbst in einem Kammerchor gesungen hatte, zeigte sich in seiner kurzen Ansprache überaus beeindruckt von der Leistung des Hugo-Wolf-Chores: „Man muss nicht nach Mailand, Rom, München oder Wien fahren, um so hohe Qualität erleben zu können.“ Insbesondere dankte er auch den „Brücken“, weil sie – nicht zuletzt durch die grenzüberschreitende Funktion der Musik – Brücken zu bauen verstehen.
Renate und Reinhold Reimann
Text aus Lot und Waage, Zeitschrift des Alpenländischen Kulturverbandes,
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Redakteur: Jan Schaller
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