Getötete Ausländer nach Kriegsende in Leše/Liescha bei Prävali

Gedenktafel beim Kreuz vor der Kirche St. Anna in Liescha

      Das Dorf Leše/Liescha ist eine Siedlung auf einer Höhe von 530-675 m an den Hängen oberhalb von Prevalje/Prävali, von dem es 3 km entfernt ist. Leše /Liescha war ursprünglich ein Dorf mit vereinzelten Bauernhöfen, von denen die meisten heute noch existieren. Heute erinnert Leše/Liescha kaum noch an seine bedeutende Bergbauvergangenheit, sondern ist eher bei Wanderern bekannt, die reine Natur und frische Luft lieben.

    Dabei war Leše/Liescha früher ein sehr berühmter Ort, denn hier befand sich das größte Kohlebergwerk in damaligen Slowenien. Die Anfänge des Kohlenbergwerks in Leše/Liescha gehen auf das Jahr 1818 zurück, als der Wiener Magistrat Herr Mayer bei seinem Freund, dem Gutsbesitzer Kresnik, wo er auf Urlaub war, dort Braunkohle entdeckte. Im Jahr 1820 erwarb er die Schürfrechte für das Revier, und in gleiches Jahr begann der Kohleabbau. Da Mayer jedoch keine wirklichen Abnehmer für die Kohle fand, verkaufte er die Grube mit den Abbaurechten an die Gebrüder Rosthorn, die 1835 in Prevalje/ Prävali ein Eisenwerk errichteten und dort ausschließlich Kohle von Liescha verwendeten.

In den 1850er Jahren war das Bergwerk in Liescha das größte Bergwerk in Slowenien, denn im Jahr 1847 förderten alle slowenischen Bergwerke dreimal weniger Kohle als das Bergwerk in Liescha. Die größte Anzahl von Bergleuten, nämlich 865, war im Jahr 1879 beschäftigt, während die Grube 1882 mit 70 000 Tonnen ihre höchste Produktion erreichte.

     Mit dem Zusammenbruch der Eisenhütte in Prävali im Jahr 1899 endete das goldene Zeitalter der Liescha-Grube. Das Bergwerk war bis 1935 mit reduzierter Kapazität in Betrieb. Die Kohle wurde noch bis 1939 abgebaut, dann war sie endgültig erschöpft. Nach 119 Betriebsjahren stürzte die Zeche Liescha, die insgesamt 3 500 000 Tonnen Kohle gefordert hatte, ein.

    Zur Erinnerung an diese Zeit wird in Leše/Liescha am 3. Juli, Der Tag der Bergleute, als Ortsfeiertag gefeiert.

     Heute wird das märchenhafte Bild des Dorfes von den beiden bemerkenswerten gotischen Kirchen St. Anna und St. Bolfenk/Wolfgang. aus dem 15. Jahrhundert geprägt, die auf dem Hügel oberhalb des Dorfes stehen.

     Die Kirchen St. Anna und St. Wolfgang in Liescha gehören zu den malerischsten Kirchen in Slowenien. Über ihre Ursprünge ist nichts bekannt, aber beide wurden wahrscheinlich im 15. Jahrhundert erbaut. In der Kirche St. Anna sind viele Merkmale erhalten geblieben, die sie nach den Umbauten im späten 17. Jahrhundert erhalten hat, darunter Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert, ein goldener Altar und eine Holzdecke aus dem 17. Jahrhundert

     Aber Ort Leše/Liescha hat auch ein trauriges, tragisches Schicksal. Jedes Jahr am 9. Mai, dem Fest der Himmelfahrt Christi, treffen sich in der St. Anna-Kirche die Nachkommen und Verwandten der österreichischen Kärntner, die im Mai 1945 von den Partisanen in einem sumpfigen Teil des nahen gelegenen Waldes getötet und verscharrt wurden. Der schon verstorbene ehemalige Bürgermeister Othmar Mory hatte bereits 1990 einen Gedenkgottesdienst und eine Ehrung der ermordeten Kärntner organisiert, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs umgebracht wurden.
Stefan Karner schreibt in seinem Buch »Die deutschsprachige Volksgruppe in Jugoslavien über das so : Neben der rücksichtslosen und ziemlich wahllosen Vertreibungen, Deportationen und Ermordungen von Tausenden Angeörigen der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien, sollte 1945- nach Vorstellung einigen Partisanenfunktionäre- auch die deutschsprachige Volksgruppe aus dem von Tito-Partisanen bessetzten Unterkärntner Gebiet deportiert werden, um einen ethnisch reinen slowenischen Raum zu schaffen. Während der Zeit der Besetzung Kärntens durch Tito-Partisanen von 8. bis 20. Mai 1945 wurden in besetzten Gebiet eine grosse Anzahl von Zivilpersonen hurch Angehörige der Partisanenarmee au sim einzelnen nicht näher bekanntn Grűnden verhaftet.

    Die Verschleppung von 263 Kärntner aus Österreich nach Slowenien, im Mai 1945, nach dem Krieg, endete anschliesend mit Ermordung von mindestens 128 Personen in Liescha/Leše, südlich der Petzen in Slowenien. Ihre Leichname wurden dort verscharrt«.

    Der gefahrlose Besuch ihrer letzen Ruhestätten in den Walungen von Liescha/Leše war angehörigen und Freunden erstmals 1990, nach dem politischen Umsturz in Jugoslawien möglich. In dieser Situation hat der Sohn verschleppter und nicht mehr heimgekerhter Eltern, Othmar Mory, die schwierige Aufgabe übernohmen, im zahlreichen Gesprächen mit Angehörigen der damaligen Ereignisen aufgezeichnet in einem Buch »LIESCHA/LEŠE 1945, Stätte des Grauens und des Gedenkens«. Othmar Mory erfült damit nicht nur eine Dankespflicht gegenüber seiner Eltern, sondern entreisst sie auch der Vergessenheit. Gedenken und Erinnerungen zählen zu den Grundnotwendigkeiten der einzelmenschlichen Existenz, schrieb in seinem Buch Othmar Mory.

   Liescha mit seiner Bergmannskirche und dem schlichten Holzkreuz im Wald wurde zum Wallfahrtsort der Hinterbliebenen.

      Und an Donnerstag, den 9. Mai 2024, Christi Himmelsfahrtstag, war wieder die Zeit nach Liescha/Leše zur Gedenkgottestdienst zu fahren.

      Die zweisprachige deutsch-slowenische Messe wurde von Dekan Mag. Ivan Olip geleitet, der in seiner Predigt betonte, dass der 9. Mai für die Menschen in Österreich-Kärnten nicht das Ende des Krieges, nicht das Ende des Tötens war. Tragische und schreckliche Ereignisse fanden statt, als Titos Partisanen unschuldige Einheimische verhafteten und von Österreich nach Slowenien verschleppten. Über diese schrecklichen Ereignisse durfte im kommunistischen Jugoslawien nicht gesprochen werden, auch wenn die Menschen sich noch an diese Nachkriegstötungen erinnerten, aber es war zu gefährlich, sich dem Ort der Morde im Wald auch nur zu nähern. Nach 1990 änderte sich vieles, und wir errichteten ein Gedenkkreuz im Wald. Im Gedenkgottesdienst verzeihen wir als Christen die geschehenen Verbrechen, aber wir können sie nicht vergessen. Aber es ist an der Zeit, zusammenzuarbeiten, sich zu vereinen, wir müssen alle zusammen für ein besseres Morgen arbeiten, sagte Dekan Mag. Ivan Olip. Der Gottesdienst wurde mit Lidern des Männerchors „Petzen“ aufgelockert, die auch Lied „Maria hilf uns-Marija pomagaj “ in slowenischer Sprache sang.

      Nach dem Gottesdienst kamen Angehörige der Opfer zu Wort und schilderten den Verlust ihrer Angehörigen. Dr. Marjan Šturm, ein Kärntner Slowene, betonte, dass die Versöhnung zuerst von jedem Einzelnen von ihnen kommen muss, damit die Versöhnung auch von allen, gemeinsam erreicht wird..

     Und dann machten wir uns auf den letzten Weg der Ermordeten, zunächst auf dem Weg am Rande der Weide, und bald kamen wir auf einen sumpfigen Weg, der uns zu einer kleinen Brücke führte, auf deren anderer Seite ein Gedenkkreuz für die 128 unschuldigen Opfer, ausländische Staatsbürger, stand, wo wir einen Gedenkkranz niederlegten und Kerzen zum Gedenken anzündeten. Wir blieben dort noch eine Weile, weil die Erinnerungen an die Getöteten wieder zum Vorschein kamen.

Text und Foto von Jan Schaller

Das Kreuz mit der Gedenktafel vor der St. Anna-Kirche in Liescha

Die St.-Anna-Kirche in Liescha

Die zweisprachige Gedenkmesse wurde von Dekan Mag. Ivan Olip geleitet,

Das im Wald versteckte Gedenkkreuz

Eine Holzbrücke führt zum Kreuz im Wald

Luftaufnahme des Ortes Leše/Liescha

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