Beileidsbekundungen

Zwei echte Freunde Veronika Haring und Erwin Josef Ţigla,

Zwei echte Freunde Veronika Haring und Erwin Josef Ţigla,

Beileidsbekundungen von Freunden aus Rumänien

Unsere Freundin Veronika Haring, Obfrau des Vereins deutschsprachiger Frauen „Brücken” aus Marburg an der Drau / Maribor in Slowenien ist nicht mehr unter uns!

Veronika Haring, unsere treue Freundin und Wegbegleiterin ist am Morgen des 2. Januars 2026, kurz vor ihrem Geburtstag am 9. Januar gestorben.

Sie wurde am 9. Januar 1948 in Jakobstal in den Windischen Büheln geboren. Sie besuchte die Grund- und Hauptschule in St. Jakob und anschließend eine Berufsschule für Textilwarenverkäuferinnen. Nach der Lehre als Textilwarenverkäuferin ging sie im Juni 1968 nach Graz, arbeitete als angestellte Verkäuferin bei Kinderwaren KOCH & SÖHNE bis Januar 1970, hier lernte sie auch Deutsch. Ab Februar 1970 arbeitete sie als Verkäuferin für Fachbücher und Zeitschriften, mit dem Schwerpunkt deutsche Literatur, in einer Buchhandlung in Marburg an der Drau bei der Buchhandels-Kette „Mladinska knjiga“. Parallel dazu besuchte sie am Abend die Handelswissenschaftsschule und erlangte dort die mittlere Reife. Ab 1987 war sie als Geschäftsführerin einer Buchhandlung tätig. Seit 2002 war sie im Ruhestand.

Veronika Haring war stets bestrebt, ihre Zugehörigkeit zur Deutsch-als-Muttersprache und zur deutschen Ethnie in Slowenien in den Mittelpunkt zu stellen. 2000 gründete sie den Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“ in Marburg an der Drau / Maribor, deren Obfrau sie bis zum Schluss ihres Lebens war. Innerhalb des Vereins veröffentlichte sie jedes Jahr ein deutsch-slowenisches Jahrbuch, von ihr herausgegeben, organisierte deutsche Sprachkurse, Malkurse, literarische Präsentationen, Konzerte und nicht zuletzt kultur- und sprachfördernde Veranstaltungen für die Deutschen aus der Untersteiermark und nicht nur. Sie war in diesem Sinne ein Vorbild für weitere Vereine Sloweniens und Ex-Jugoslawiens, die sich für die deutsche Sprache und Kultur voll einsetzten.

Eine der ihr am nächsten ans Herz gelegene Tätigkeit war die des Kammerchors „Hugo Wolf“, von ihr im Jahre 2010 gegründet und von dem Musikpädagogen Aleš Marčič geleitet. Anlass dafür war damals der 150. Geburtstag des Komponisten Hugo Wolf, einer der größten Meister des spätromantischen Kunstlieds. Mit diesem Chor nahm sie im Oktober 2017 am ersten Evangelischen Kirchentag im Banat, der in Reschitza anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation durch die deutschen hiesigen Vereine organisiert wurde, erfolgreich teil.
Veronika Haring war langjährig aktiv im Dachverband der Kulturvereine der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien und im Bund der Kulturvereine der Gottscheer und der Steirer in Slowenien. Sie pflegte Beziehungen mit gleichgesinnten Vereinen und Regierungs- und Diplomatenstellen in Slowenien, in Österreich und in Deutschland. Ein Anliegen war für sie auch die Beziehungen mit anderen deutschen Ethnien Südosteuropas auszubauen, so auch mit uns, den Banater Berglanddeutschen. Intensivierung diesbezüglich gab es ab dem Jahr 2000, als sie die Kontakte mit dem Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen und mit dem Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ aufnahm und Jahr für Jahr förderte, dies durch gegenseitige Besuche und das Implizieren von Kontakten zwischen den Vereinsmitgliedern selbst.

Die Beziehungen des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen und des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ zu dem Verein in Marburg an der Drau bestehen also bereits seit vielen guten Jahren. Sie wurde am 7. Mai 2010 zum Ehrenmitglied des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ ernannt. Immer wieder kamen Obfrau Veronika Haring und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter ins Banater Bergland, nahmen an unseren wichtigsten kulturellen Aktivitäten teil, so die „Deutsche Kulturdekade im Banater Bergland“ – ab 2006, die „Deutschen Literaturtage in Reschitza“ – ab 2009, im vergangenen Jahr zum fünfzehnten Mal, das „Reschitzaer Deutsche Trachtenfest“ – ab 2009 und nicht zuletzt der internationale Kindermalwettbewerb „Kinder malen ihre Heimat“ – ab der X. Auflage, 2010, an dem sie maßgebend beteiligt und persönlich impliziert war, damit Slowenien teilnimmt, konnten, aber auch gemeinsam an den jährlichen Steirertreffen – ab 2003, wo immer sie auch organisiert wurden, in Slowenien, Österreich oder Rumänien, teilnehmen. Unvergesslich bleiben die Buchpräsentationen rumäniendeutscher Autorinnen und Autoren in Marburg an der Drau (größtenteils um den Welttag des Buches im April organisiert), sowie die Buchpräsentationen und Kunstausstellungen Marburger Autoren und Künstler in Reschitza. Aber nicht nur das verband uns: Es hat sich in der Zwischenzeit eine Freundschaft gebildet, die immer mehr aufblühte und sich entwickelte, zugunsten beider deutscher Ethnien in Slowenien und in Rumänien! Im Jahr 2025 war sie sowohl bei den Literaturtagen, wie auch bei der Kulturdekade als ein gern gesehener Gast dabei!

Veronika Haring war präsent und aktiv bei den verschiedenen Veranstaltungen und pflegte rege Kontakte zu den österreichischen Bundesländern Steiermark und Kärnten, zum Alpenländischen Kulturverband in Graz, zum Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich mit dem Sitz in Wien, zur Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten in der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten mit dem Sitz in Berlin und der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland mit dem Sitz in Berlin / Bayreuth, zum Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler und zum Landesrat der Ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen in Ungarn, um nur einige davon zu erwähnen.

Veronika Haring war aktiv auch innerhalb von europapolitischen Vereinen in Österreich (z. B. dem Bund Europäischer Föderalisten), bei den verschiedenen Tagungen im „Karl Brunner“-Europahaus in Neumarkt in der Steiermark. Max Wratschgo und Christa Hofmeister waren ihre treuen europäischen Freunde!

Am 18. Juni 2008 fand, anlässlich des Jahres des interkulturellen Dialogs, im „Union”-Saal der Tag der Kulturvereine in Marburg an der Drau, Slowenien, statt. Einen der wichtigsten Punkte im Programm stellte die Überreichung von Medaillen und Anerkennungsurkunden für besondere Verdienste im Kulturbereich, dar. Für uns und viele, die sie gekannt und geschätzt haben, war es eine große Freude, dass die Obfrau von „Brücken”, Veronika Haring, mit der Medaille für Verdienste für die Bereicherung des interkulturellen Dialogs geehrt wurde. In der Begründung hieß es u.a.: „Veronika Haring ist Obfrau des Vereins der deutschsprachigen Frauen Mostovi / Brücken in Marburg, der sich mit Kulturveranstaltungen, einem Bildungsangebot und Veröffentlichungen um die Normalisierung der Einstellung zur geschichtlich gewachsenen Verflechtung der slowenischen und deutschen Kultur auf unserem Boden bemüht.

Multikulturalität und Mehrsprachigkeit sind die Grundmerkmale des vereinten Europas und das muss auch eine Stadt akzeptieren, die europäische Kulturhauptstadt sein wird.” Über diese Auszeichnung in ihrer Heimatstadt Marburg an der Drau hat sich Veronika Haring sehr gefreut und wir alle mit ihr!

Zahlreiche weitere Auszeichnungen wurden ihr im Laufe ihres Lebens überreicht, darunter das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark im Jahr 2015, die Goldene Ehrennadel des Alpenländischen Kulturverbands Graz im Jahr 2015, der Mérite Européen in Bronze im Jahr 2016 im „Karl Brunner“-Europahaus Neumarkt in der Steiermark, die Ehrenurkunde und Freundes-Abzeichen in Gold der Marktgemeinde Neumarkt in der Steiermark im Jahr 2017, das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich im Jahr 2018. Veronika Haring war Ehrenmitglied des Bundes der Kulturvereine Marburg ab 2021.

Für mich persönlich und für viele Freundinnen und Freunde von Veronika Haring ist unbegreiflich, dass sie nicht mehr zwischen uns ist, dass sie uns nicht mehr mit ihrem lieben Lächeln begrüßen kann. Unser aller Schmerz in Slowenien, Österreich, Deutschland, Kroatien, Serbien, Ungarn, in der Ukraine und in Rumänien ist unbeschreiblich…

Wir sprechen hiermit der leidtragenden Familie und all den ihr wohlgesinnten Mitstreitern in Slowenien unsere innigste Anteilnahme aus!

Wir werden ihr Andenken weitertragen, indem wir ihre Aufopferung und Hingabe für die Deutschen in der Untersteiermark und ganz Slowenien weiterhin fördern und unterstützen!

Erwin Josef Ţigla,
Vorsitzender des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB).[2]

Reschitza in Rumänien, am 2. Januar 2026,

Hartmut Koschyk,  Stiftungsratsvorsitzender

Sehr geehrte Frau Petra Haring,

sehr geehrte Frau Martina Haring,

sehr geehrter Herr Schaller,

sehr geehrte Mitglieder des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen „Brücken“,

zum Heimgang Ihrer lieben Mutter, Unterstützerin, Mitstreiterin und Obfrau des Kulturvereins sprechen wir Ihnen und Ihren Angehörigen im Namen der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland und persönlich unser herzliches Beileid aus.

Veronika Haring engagierte sich intensiv für die rechtliche Gleichstellung ihrer Landsleute und deren muttersprachlichen Rechte. In Gesprächen mit der slowenischen Regierung und internationalen Expertengremien setzte sie sich für die Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen sowie für einen dauerhaften Dialog mit staatlichen Stellen mit dem Ziel ein, die vollumfängliche Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien zu erreichen.

Im Jahr 2000 gründete sie den Kulturverein deutschsprachiger Frauen »Brücken« in Marburg/Maribor – initiiert von in Marburg und Umgebung lebenden Angehörigen der deutschsprachigen Minderheit. In ihrer Funktion als Obfrau gestaltete sie ein vielfältiges Kultur- und Bildungsprogramm, das weit über Slowenien hinaus Beachtung und Anerkennung fand: sie verantwortete zweisprachige Jahrbücher, Sprach- und Computerkurse für Kinder und Erwachsene, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und den international renommierten Kammerchor „Hugo Wolf“. Im Zentrum von Marburg/Maribor baute sie eine repräsentative Begegnungsstätte für die deutschsprachige Minderheit auf. Sie war eine Brückenbauerin par excellence – zwischen Kulturen, Generationen und Sprachen.

Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit und höchstem Respekt vor dem großartigen Lebenswerk von Veronika Haring. Wir werden ihr Andenken dauerhaft in Ehren halten und im Sinne der Verstorbenen vehement dafür eintreten, dass ihr Einsatz für die legitimen Anliegen der deutschsprachigen Minderheit in der Untersteiermark und in ganz Slowenien nicht umsonst war und ihr Lebenswerk gesichert und fortgesetzt wird!

In dieser schweren Zeit sind unsere Gedanken bei Ihnen und Ihrer Familie. Mögen die Erinnerungen an die schönen gemeinsamen Momente Ihnen Trost spenden und Ihnen Kraft geben, diesen Verlust zu bewältigen. Wir wünschen Ihnen Zuversicht, Gottes reichen Segen und dass die Liebe und Unterstützung Ihrer Freunde und Angehörigen Ihnen den nötigen Halt zu geben vermag.

In herzlicher Anteilnahme

 

Bewegte Geschichten mit Veronika Haring

 

Viele und sehr unterschiedliche Menschen aus Europa und darüber hinaus sind mir im Laufe meiner langjährigen ‚europäischen‘ Tätigkeit begegnet. Auch Veronika Haring, ich traf sie zum ersten Mal beim Internationalen Minderheitentreffen im Karl Brunner Europahaus vor fast 25 Jahren. Wie sich herausstellte war sie Angehörige der verbliebenen deutsch-untersteirischen Minderheit und lebte in Marburg…

Ihre Lebensgeschichte habe ich oftmals gehört und bewegte mich immer, wenn sie erzählte, wie sie im Alter von 14 Jahren erfuhr, dass ihr Vater Deutsch-Untersteirer war. Ich darf ihre Worte zitieren: „…am ersten Schultag in der Berufsschule in Marburg verlas der Lehrer die Liste der anwesenden Schüler und meinte: Haring! Was machst du denn hier? Wer sind deine Eltern? Du bist ja eine Deutsche!“…

Die jährlich mindestens zweimaligen Treffen im Karl Brunner Europahaus Neumarkt in der Steiermark mit ihr und ihrem im Jahre 2000 gegründeten Kulturverein „Brücken“ hinterließen tiefe Spuren, nicht nur mit ihren Vorträgen und laufenden Informationen über den Stand der Entwicklung   der staatlichen Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien. Sie kam auch nie mit leeren Händen – sie verwöhnte uns mit kulinarischen Genüssen aus ihrer Region, vor allem mit ihren selbstgebackenen süßen Köstlichkeiten (denk ich dran, läuft mir das Wasser im Mund zusammen). Ihre Leidenschaft war Süßes allerdings nicht, als ich sie erstaunt fragte warum nicht, antwortete sie: „schmeckt nicht nach Fleisch!“. Einen besonderen Leckerbissen bescherte sie uns mit einem Ohrenschmaus ihres 2010 gegründeten „Hugo Wolf-Kammerchors“ im Schlosshof des Europahauses. Mit der Geburt des Hugo Wolf-Kammerchores ist dem Verein ein besonderes Glanzstück gelungen.

Ihr Kontakt zu Vereinen und Organisationen in anderen Ländern und meine Arbeit mit dem Europahaus, in der Europäischen Föderalistischen Bewegung und mit den Banater Berglanddeutschen in Reschitza ‚bescherte‘ uns viel Gemeinsames. Besonders vergnüglich waren die Reisen zu Erwin Josef Tigla ins Banater Bergland durch deine Begleitung, liebe Veronika, über viele Jahre hinweg – auch die werden mir fehlen.

      “Ja zu Europa – seine Probleme erkennen – an seiner Verwirklichung arbeiten“, sind die Leitworte der Stiftung Mérite Européen. Dir, Veronika, ist es mit dem Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“ in hervorragender Weise gelungen, untersteirisches Erbe zu bewahren und Brücken über nationale Grenzen hinweg zu schlagen. Dafür wurde dir 2016 von der Stiftung der europäische Orden „Mérite Européen in Silber verliehen. Der Verein „Brücken“ arbeitet über dieses Ziel hinaus, dafür hat die Stiftung „Mérite Européen Luxemburg“ beschlossen, den Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“ mit dem „Diplóme d’Honneur Mérite Européen“ auszuzeichnen.

Mit großer Freude und Genugtuung durfte ich als Beauftragte der Gruppe-Österreich der Stiftung das überaus verdiente Ehrendiplom anlässlich einer musikalisch-literarischen Reise durch Marburg mit dem Hugo-Wolf Kammerchor am 17. November 2024 überreichen.

Es ist egal, zu welchem Zeitpunkt man einen Menschen verliert es ist immer zu früh.

Deine Schritte sind am 2.Jänner 2026 verstummt, plötzlich war nichts mehr so, wie es war – doch du hast Spuren hinterlassen, Du hast Fäden gezogen und ein Netzwerk gespannt. Deine Fäden werden weitergesponnen, das hat sich schnell abgezeichnet. Selbstverständlich werde ich auch weiterhin dabei sein.

Meine gemeinsam verbrachte Zeit mit und wegen ihr ist unvergesslich!

Christa Hofmeister

Feldbach/Neumarkt in der Steiermark

 

 

 

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