150 Seiten, das Buch ist dreisprachig: Slowenisch, Deutsch, Englisc
Wir müssen den Anfang fast hundert Jahre zurückdrehen. Das ursprüngliche Herrenhaus Sternthal wurde im Jahr 1830 erbaut, das heutige Hauptgebäude des Gutes entstand um 1870, als die Familie des Grafen Schöndorf ins Schloss einzog. Die drei Nebengebäuden wurden damals von den Gutsarbeitern bewohnt. Im Jahr 1890 gab es in Sterntal, auch Sternthal nur drei Häuser mit 19 Einwohnern, 1910 lebten dort 58 Einwohner. Im Jahr 1896 kaufte Franz von Hellin, ein Einwohner von Pettau, das Schloss und das 311 ha große Gut und ließ eine Schmalspurbahn zum Schloss bauen, die mit der nahe gelegenen Bahnstrecke Pettau-Pragerhof verbunden wurde. Im Jahr 1912 erhielt Sterntal auch einen eigenen Bahnhof.
Und dann veränderte der Erste Weltkrieg das alltägliche, meist friedliche Leben. Zunächst nicht direkt, mit dem Inkrafttreten der Kriegsgesetzes und neuer Kriegsmaßnahmen änderte sich die Lebensweise. In den ersten Kriegsmonaten nahmen österreichisch-ungarische Truppen auf dem östlichen Schlachtfeld viele russische Soldaten gefangen, die von den Österreichern gefangen wurden. Orte Feldbach und Knittelfeld wurden 1914 für ihre Unterbringung ausgewählt, gefolgt im Frühjahr 1915 noch Lebring bei Leibnitz und Sterntal. Das Leben der Einheimischen wurde so auf den Kopf gestellt.
Aber das war noch nicht alles. Die Kriegssituation bedeutete auch, dass jeden Tag mehr verwundete Soldaten zu versorgen waren. Die österreichisch-ungarischen Behörden mussten neue militärmedizinische Einrichtungen schaffen, zunächst auf den Schlachtfeldern und dann mit dem Transport der Verwundeten zur Rehabilitation. Der Mobilisierungsplan für die Kriegszeit sah 16.708 Betten für verwundete Soldaten vor, aber es wurde bald klar, dass diese Zahl angesichts der Zahl der verwundeten und kranken Soldaten viel zu niedrig war. Die Behörden sahen sich daher gezwungen, die Zahl der Verwundetenlazarette zu erhöhen. Nach und nach wurden 874 Krankenhäuser mit 95.000 Betten eingerichtet. Das Hauptaugenmerk lag auf der Behandlung verwundeter Soldaten und ihrer raschen Genesung, damit sie wieder an die Front geschickt werden konnten. Deshalb begann man auch provisorische Kriegslazarette einzurichten.
Die Lazarette mussten sich im Hinterland befinden und vor allem mit der Eisenbahn erreichbar sein. Seit 1861 führte eine reguläre Bahnlinie an Sterntal vorbei. Außerdem war das Gebiet groß genug, um einen Militärkomplex zu errichten. Die österreichisch-ungarischen Behörden pachteten daher 234 Hektar Land von 42 Grundbesitzern. Das meiste Land wurde von dem bereits erwähnten Franz Hellin, einem Grundbesitzer, gepachtet; 84 % davon war Wald.
Zwischen April 1915 und Juni 1916 wurde ein Lagerkomplex mit 295 Baracken errichtet. Ursprünglich war das für die Unterbringung russischer Kriegsgefangener geplant.
Die Bewohner des nahe gelegenen Ortschaft Pettau und Sterntal waren von der Ankunft der neuen Nachbarn und dem Bau eines Kriegsgefangenenlagers nicht begeistert. Aufgrund der italienischen Kriegserklärung wurden die österreichischen Behörden jedoch gezwungen, das Lager in ein Reservelazarett für die Behandlung von Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee umzuwandeln.
Die österreich-ungarischen Behörden planten das Lager systematisch. Es bestand aus einem Verwaltungsteil, einem Kriegsgefangenentrakt, mehreren getrennten Krankenhäusern und einem Versorgungsteil (Kraftwerk, Klär- und Pumpwerk, Wasserversorgung und Abwasser). Die Baracken waren standardisiert und hatten eine Größe von 40 x 10 Metern. Nach der Umnutzung von Kriegsgefangenenlager haben die Behörden die Barackengruppen noch in fünf Reservelazarette verteilt, die voneinander abgegrenzt und somit isoliert waren. Nur noch ein Teil des ursprünglichen Lagers wurde für die Kriegsgefangenenarbeiterstation genutzt. Die offizielle Bezeichnung lautete daher „Kriegsspital Sterntal“.
Auf der linken Seite der Bahnlinie Pragerhof-Pettau wurden alle Wohnräume, einzelne Krankenhäuser, Versorgungs-, Technik- und Verwaltungsbaracken errichtet. Auf der rechten Seite der Bahn befanden sich nur der Friedhof und das Reservelazarett „Mlada Boleslav“ (benannt nach der tschechischen Stadt, in der heute Škoda-Autos hergestellt werden). Neben jeder Gruppe von Unterkunftsbaracken befanden sich auch Wasch- und Toiletten-Baracken. Alle Baracken waren mit Kanalisation, Sanitäranlagen und elektrischer Beleuchtung ausgestattet. Die Lazarettbewohner verfügten über 5 m2 Bodenfläche pro Person und 15 Kubikmeter.
V on den insgesamt 295 Baracken wurden 151 Baracken für die Unterbringung der Soldaten genutzt, also insgesamt 14.147 Betten. In vier Lagerkrankenhausgruppen gab es je 2.000 Betten, aber auch mehr, in Mladá Boleslav waren1.197 Betten und in der Quarantäne 400 Betten. Außerdem gab es Betten in Baracken außerhalb der Barackengruppen. Insgesamt waren im Lager Sterntal 9.700 verwundete und kranke Soldaten, 2.400 Kriegsgefangene und 2.000 Angestellte untergebracht.
Interessant ist, dass die Bade-Baracken in einen Desinfektionsbereich, einen Waschbereich und einen Heizraum unterteilt waren. Das Bad selbst war geteilt in einen Entkleide- und Ankleidebereich, einen Friseurbereich, ein Arztzimmer und einen Raum mit Warmwasserduschen und zusätzlich einen Raum für Fußbäder.
Ein militärisches Bauteam war für die Instandhaltung der gesamten Barackensiedlung zuständig. Der Dienst musste sich auch um das Feuerlöschsystem kümmern. Von Anfang an wurden auf dem Krankenhaus Gelände einzelne Werkstätten für die Instandhaltung der Gebäude eingerichtet, und auch die Inneneinrichtung der Baracken wurde hergestellt. Es gab sogar eine eigene Kiesgrube für Bauzwecke.
Die Zahl der verwundeten und kranken Soldaten im Reservelazarett von Stertal schwankte. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr Patienten gab es. Sie erkrankten an Wundinfektionen und Infektionskrankheiten, an Kriegsmüdigkeit, was auch zu einem Anstieg der Todesfälle führte. Obwohl es relativ viel medizinisches Personal gab, kam es je nach Krankheit immer wieder zu Personalengpässen. Die Kriegssituation führte auch zu Sparmaßnahmen in allen Bereichen, die für das medizinische Personal unausweichlich waren. Die Verwaltungen der einzelnen Krankenhäuser sahen sich daher durch die Kriegssituation zunehmend mit organisatorischen, personellen und materiellen Problemen konfrontiert. Die große Zahl der Patienten führte auch zu einer Verknappung der medizinischen Versorgung.
Je länger der Krieg dauerte, desto knapper wurden die verschiedenen Lebensmittel. So mussten die gefangenen Soldaten auch für den „Kriegszweck“ arbeiten. Der Kriegsgefangenenbereich des Lagers erhielt so den Status eines Arbeitslagers. Während der Erntezeit mussten die Kriegsgefangenen auch auf den Bauernhöfen mithelfen. Kriegsgefangene konnten auch in Fabriken in Marburg, Cilli und sogar Laibach eingesetzt werden. In Sterntal mussten die Kriegsgefangenen vor ihrer Abreise mit guter Kleidung, Schuhen, Besteck und Geschirr ausgestattet werden. Der Arbeitgeber, der die Gefangenen einstellte, musste sie bezahlen und mit Proviant versorgen.
Wegen verschlechternden Arbeits- und Lebensbedingungen und vor allem das Heimweh führten dazu, dass viele Kriegsgefangene an eine Flucht nach Hause dachten. Aufgrund ihrer slawischen Herkunft schlossen sie oft mit den Einheimischen Freundschaft, die ihnen dann zur Flucht verhalfen. Die Fluchten begannen schon während des Aufbaus im Jahr 1915 und dauerten bis zum Ende des Krieges. Einigen gelang die Flucht, den meisten leider nicht.
Zu der Anlagen des Lazaretts Sterntal gehörte auch ein von der Militärverwaltung angelegter Friedhof für die Toten des Reservelazaretts. Interessanterweise ist der äußere Torbogen des Soldatenfriedhofs noch immer erhalten, ebenso wie die Inschrift auf ihm. Auf dem Friedhof waren die einzelnen Grabfelder nach Konfessionen getrennt, aber alle Gräber waren identisch. Es gab am jeden Grab Betonseule in Form einer Pyramide. In den Jahren 1916 und 1917 wurde auf dem Friedhof eine Kapelle errichtet, die noch heute steht und der Muttergottes, der Helferin der Christen, geweiht ist.
Auf dem Soldatenfriedhof in Sterntal/Kidričevo sind etwa 2340 Soldaten des Ersten Weltkriegs begraben (deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, wurden ebenfalls auf diesem Soldatenfriedhof begraben, aber die Gräber waren laut Augenzeugen, nicht gekennzeichnet).
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der österreichischen Niederlage wurden die nationalen Unruhen immer stärker. Die Monarchie stand am Rande des Zusammenbruchs. Die slawischen Völker in der Monarchie forderten zunehmend ihre Unabhängigkeit und Autonomie.
Zum Zeitpunkt der Friedensverhandlungen verließen die „Bewohner“ des Reservelazaretts und die Kriegsgefangenen den Komplex des Kriegsspitals Sterntal bei Pettau. Nach der Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde das Lager von der slowenischen Regierung übernommen und umbenannt ins slowenische Strnišče (in Deutsch „Stoppelfeld“). Die Barackenlazarette wurden so zur neuen Heimat für die Flüchtlinge aus Primorska/Küstenland, die nach dem Ersten Weltkrieg, als das Gebiet Italienischer Teil, ihre Heime verließen. Das Flüchtlingslager Strnišče wurde am 31. Januar 1922 von der slowenischen Landesregierung wegen der schlechten Lebensbedingungen(??) geschlossen. Im Jahr 1921 lebten dort noch etwa 1.300 russische Flüchtlinge, während die Zahl der Flüchtlinge aus Primorska auf 6.400 angestiegen war. Am Tag der Auflösung lebten im Lager noch 1.541 Menschen, davon interessanterweise 186 Einheimische und 32 Eisenbahnarbeiter. Mit der Auflösung des Lagers überließen die slowenischen Behörden die Flüchtlinge ihrem Schicksal. Die meisten Bewohner von Primorska zogen aus dem Lager nach Prekmurje/Übermurgebiet, dass nach dem Ersten Weltkrieg an Slowenien bzw. an den neuen Staat SHS angegliedert wurde.
Und damit ist die Geschichte des Lagers Sterntal/Strnišče leider noch nicht zu Ende. Es gibt noch einen zweiten Teil der Geschichte, als dieses Gebiet, oder ein Teil davon, im Dritten Reich ein Arbeitslager für 2.000 Zwangsarbeiter gewesen war, die im Drittem Reich hier die neue Aluminiumfabrik bauten.
Das dritte Teil der Geschichte des Lagers, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als das ins Kommunistische Konzentrationslager für einheimische Deutsche umgebaut wurde, können sie in den nebenstehenden Artikeln lesen.
(Der Text ist größtenteils dem Buch STERNTHAL 1915-1918 von Nataša Kolar entnommen, und auch die Bilder sind aus dem gleichen Buch . Die Urheberschaft der einzelnen Bilder ist jeweils angegeben.
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Redakteur: Jan Schaller
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