Wer war der Buckelige Miha?

Foto von Hrovat Bogdan – den Buckligen Miha/Puklasti Miha; Seite 13 des Buches von Roman Leljak, „Prijatelja po krvi-Freunde durch Blut“

    Über den „Puklasti Miha“ – Buckeligen Miha schrieb der ehemalige Partisan Mile Pavlin 1 den Roman „Das Geheimnis von Šimens Tod“. Wegen der Veröffentlichung der Gräueltaten, die der Buckelige Miha begangen hatte wurde Buchautor Mile Pavlin angeklagt 2; weil er die Wahrheit veröffentlicht hatte. Lange Zeit war auch der tragische Tod des Buckeligen Miha im März 1948 im Dunkeln verborgen; in den offiziellen Protokollen heißt es, er habe sich beim Reinigen einer Beretta-Pistole versehentlich erschossen. In Wirklichkeit hat er sich im Dienst in den Räumlichkeiten des Republik-Sekretariats für innere Angelegenheiten selbst erschossen (selbst Mord). Interessant ist die Beschreibung aus dem Obduktionsbericht: „Leiche 154 cm groß, nur 50 kg schwer, unterentwickelt, mäßig korpulenter, buckliger Mann.“ Noch bemerkenswerter ist jedoch der erst später bekannt gewordene Abschiedsbrief, in dem es heißt: „Bitte erklären Sie meinen Tod als Unfall beim Reinigen der Waffe. Es tut mir leid, dass ich mein Leben auf diese Weise beenden muss. Ich schäme mich vor der (Kommunistischer) Partei, aber auch Ihr habt damals nicht richtig gehandelt.“

EIGENHÄNDIG VERFASSTE BIOGRAFIE
„Puklasti Miha – der Buckelige Miha“ – mit bürgerlichem Namen Bogdan Hrovat – hat seine Biografie selbst wie folgt verfasst: (Auszüge) Ich wurde am 20. Mai 1923 in Planina bei Rakek geboren; meine Mutter war eine Bauerntochter, mein Vater ein niedriger Zollbeamter. Schon in meiner Kindheit, als ich 8 Jahre alt war, starb mein Vater; wir lebten von der Rente und dem Verdienst meiner Mutter. Ich hatte noch zwei Brüder und eine Schwester; ein Bruder starb bereits in jungen Jahren, der andere fiel 1942 bei den Partisanen, meine Schwester besuchte noch das Gymnasium. Meine Mutter und meine Schwester wurden 1941 nach Serbien deportiert; nach der Befreiung kehrten sie nach Maribor zurück, wo meine Mutter von der Rente lebte, während meine Schwester im Ausland studierte, und zwar in Triest bei meiner Tante Elči Revina.

Ich habe das Gymnasium nicht abgeschlossen, da man mich wegen meiner fortschrittlichen Ansichten von der Schule verwiesen hat; den Wehrdienst im Königreich Jugoslawien habe ich nicht abgeleistet, während der Besatzungszeit lebte ich zunächst in Laibach/ Ljubljana in einem Internat, später dann bei meiner Tante Minca Robič. Ich lebte von Nachhilfestunden und der Unterstützung meiner Tante, da ich keinen Beruf hatte. Vor dem Krieg war ich in keiner bürgerlichen Partei aktiv, bis zur Besatzung war ich jedoch Mitglied des Sokol (Sportverein Falke).

Während der Besatzung habe ich weder in der Besatzungsarmee noch in deren kollaborierenden Formationen mitgewirkt. Ab Juni 1941 arbeitete ich mit der SKOJ in Ljubljana im Stadtteil Šiška zusammen, 1942 war ich Bezirkssekretär der SKOJ für Vič und Parteiinformant. Im Juni 1943 schloss ich mich den Partisanen an und lebte drei Wochen vor meinem Aufbruch zu den Partisanen im Untergrund. Ich trat am 15. Juni 1943 in der Region Dolenjska (Unterkrein) freiwillig den Partisanen bei und wurde am 17. August Mitglied der Kommunistischen Partei. Im Oktober 1943 wurde ich nach Bachern/Pohorje geschickt, wo ich in der Partisanen-Brigade Leiter des Spionageabwehrdienstes war. Anschließend wurde ich im April 1944 zu einem Parteikurs einberufen. Ende Juni wurde ich nach Dolenjska (Unterkrein) geschickt, von aber zu dem Geheimdienst nach Prekmurje entsandt wurde, wo ich bis zur Befreiung am 1. April 1945 blieb. Von diesem Tag an war ich Mitglied der OZNA3 -Kommunistische Geheimpolizei.

Journalist Branko Žunec veröffentlichte 1991 in der Zeitschrift „7D“ einen Text über den „Puklasti Miha“ Buckeligen Miha (Auszüge): „Vor uns liegt ein weiteres jener geheimnisvollen Schicksale in der OZNA bzw. UDBA unmittelbar nach dem Krieg, über die im sozialistischen Jugoslawien geschwiegen werden musste.“

Die Rede ist von Bogdan Horvat, besser bekannt als der „Puklasti Miha“ Buckeligen Miha, und seinen Machenschaften. Er selbst schrieb nämlich, dass er im Rahmen eines Sonderauftrags nach Prekmurje entsandt wurde, als OZNA-Spion bzw. als Chef der OZNA für den Bezirk Ljutomer. Laut Zeugenaussagen soll er zusammen mit seinen Helfern in der Nachkriegszeit etwa 700 Menschen liquidiert haben, wobei diejenigen, die in der sogenannten Bachern-Affäre (Oktober 1943 – April 1944) getötet wurden, nicht mitgezählt sind. „Puklasti Miha“ war nämlich damals Chef des Spionageabwehrdienstes in Partisanen Bataillon auf Bachern. Aus mehreren Zeugenaussagen geht hervor, dass er als einer der treuesten und effizientesten Vollstrecker der Kommandos galt, die ihm Matija Maček im Krieg anvertraut hatte. Aufgrund seines körperlichen Gebrechens war er ein umso fanatischerer Vollstrecker aller Befehle.

Der Buckeligen Miha selbst beschreibt sich wie folgt: „Ich war oft krank, vor allem aber prägte mein Buckel meinen Charakter, weshalb mich die Menschen seltsam ansahen und ich mich dadurch ziemlich entfremdet habe. „Ich entwickelte ein Minderwertigkeitsgefühl, den ich dadurch kompensierte, dass ich meinen Mitmenschen gegenüber ziemlich grob war, auch gegenüber meinen Kameraden.“ Was seinen körperlichen Makel betraf, war er also ziemlich verbittert.

DIE BACHERN-AFFÄRE
Im Partisanen-Bataillon am Bachern – nicht in jenem, das Anfang Januar 1943 gefallen war, sondern in dem Bataillon, das später auf dem Bachern Berg gebildet wurde – herrschten laut Berichten des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei seltsame Verhältnisse, die sehr unangenehme politische Auswirkungen vor Ort hatten und den Eindruck erweckten, dass die Gestapo selbst darin verwickelt sei. Der Bataillonsstab hatte unter dem Einfluss den Buckeligen Miha die Wachsamkeit bis hin zu hysterischem Misstrauen gesteigert. Unter Druck und durch inquisitorische Verhöre „gestanden“ einige Neulinge, an deren Ehrlichkeit kaum zu zweifeln war, unter Zwang, dass sie von der Gestapo zu Partisanen geschickt wurden und sie Mitglieder der „Plava garda-Blauen Garde4 sein sollten. Worauf sie kurzerhand liquidiert wurden. Dušan Špindler, ein ehemaliger Lagerinsasse und Partisanenaktivist, der im Sommer 1950 als „Gestapo-Agent“ zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, sprach 1993 in einem Interview mit dem Titel „Die Angst der Parteifunktionäre hatte große Augen“ öffentlich darüber. Soviel „Verdächtige“ gab es für jeden vernünftigen Menschen zu viele, viel zu viele. Das nutzten natürlich die Deutschen Besatzer aus, die am 5. Februar 1944 in der zweisprachigen Zeitung „Štajerski gospodar- Der steirische Landwirt 5“ veröffentlichten, dass „der Buckeligen Miha, der kommunistische Delegierte einer steirischen Bande, rücksichtslos Partisanenrekrutinnen tötet, die angeblich der Blauen Garde angehören“. Eine solche Veröffentlichung hatte natürlich große politische Auswirkungen und führte zu negativen Folgen für die kommunistische Befreiungsbewegung, da sie den Zustrom neuer Mitglieder zu den Partisanen für einige Zeit vollständig zum Erliegen brachte.
Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei ergriff daraufhin schließlich entschiedene Maßnahmen und verhängte strenge Parteistrafen; mehrere Genossen wurden degradiert, einige sogar aus der Partei ausgeschlossen. Doch bis heute sind die Hintergründe dieser „Bachern-Affäre“, die vor allem für die Besatzer von Vorteil war, offenbar nicht bekannt.

WAR DER BUCKELIGE MIHA EIN GESTAPO-SPION?
Ob der Buckelige Miha/ Puklasti Miha tatsächlich ein Gestapo-Spion war, ist bis heute nicht geklärt, obwohl darüber in gleich zwei Büchern über die nationalsozialistischen Geheimdienste und deren Aktivitäten in Jugoslawien berichtet wird. Eine ganze Reihe ähnlicher Texte wurde jedoch gar nicht veröffentlicht. Die Meinungen hierzu gehen auseinander, doch in den meisten literarischen Werken wird der „Puklasti Miha“ als Doppelagent dargestellt. So zum Beispiel auch im dritten Teil von Svetinas Buches „Ukana“.

Buchautor Mile Pavlin sagte bei der Gerichtverhandlung am 9.12.1970 unter anderem: „Dass der ‚Buckelige Miha/Puklasti Miha‘ eine so markante Figur ist, die eine literarische Bearbeitung verdient, als Beispiel dafür, wie ein Mensch auf Abwege geraten kann, vielleicht sogar gegen seinen Willen, und dann auch so ein tragisches Ende das Leben beendet.“

Der Schriftsteller Miško Kranjec sagte als Zeuge in diesem Prozess: „Dass er den Buckeligen Miha/Puklasti Miha auch persönlich gekannt hat und dass dies eine sehr unangenehme Begegnung in Murska Sobota gewesen sei. Er sei auch bei der Sammlung von Unterlagen über die 14.Partisanendivision auf ihn gestoßen, da er mit seinen Gräueltaten die Geschichte tief geprägt habe. Die Menschen hatten Angst vor dem Buckelige Miha /Puklasti Miho“, seine Komplexe trieben ihn offenbar zu den genannten Gräueltaten.

Mile Pavlin war bei der Kriminalpolizei beschäftigt und vier Jahre lang auch beim Geheimdienst, wo er Zugang zu zahlreichen Dokumenten hatte; damals hatten sie auch viel Zeit für verschiedene Gespräche mit Zeugen, die oft von sich aus vor allem über den Buckelige Miha „Puklasti Miha“ sprachen. Er fügt hinzu, dass der „Puklasti Miha“ nach der Bachern-Affäre 1944 in die Region Dolenjska/Unterkrein versetzt wurde und dann vor Kriegsende nach Prekmurje. Da er aber auch dort „Unfug trieb“, wurde er nach Marburg/Maribor versetzt, wo er sich nach dem Krieg gerne mit Mercedes Auto zeigte, mit dem er durch die Stadt gerne fuhr.

Obwohl der Buckelige Miha /Puklasti Miha angeblich an der Ermordung von etwa 700 Menschen beteiligt war, wurde er unter den Menschen vor allem wegen seiner Frauengeschichten und Vergewaltigungen verabscheut. Wegen seines Buckels wies ihn jede gesunde Frau zurück. Doch mit seinem gewalttätigen Verhalten entschied er oft über Leben und Tod und hatte so uneingeschränkte Macht, die er auch häufig ausnutzte. Und welche Frau er auch immer wollte, die konnte er sich auch leisten, da jede um ihr Leben fürchtete, dass er sie erschießen würde, wenn sie sich ihm entziehen würde.

DIE BLAUE GARDE, DIE ES NICHT GAB
Der Historiker und Experte Mirko Fajdiga erklärt den Bachern Prozess hingegen als Aufdeckung der Blaugardisten. » Die zentralen politischen Akteure des Nationalbefreiungskampfes (NOB) in Slowenien wiesen auf die Gefahr hin, dass die Aktivitäten der Konterrevolutionäre der Weißen und Blauen Garde auf die Steiermark übergreifen könnten, was bereits zu Beginn verhindert werden müsse. Dabei forderten sie die Liquidierung des Organisators der Blauen Garde für Slowenien, Karel Novak, der dies angeblich am Drau-Feld organisieren sollte. Karel Novak befand sich aber zu dieser Zeit jedoch in Rom. Gerade deshalb waren die Folgen noch schwerwiegender, da seine gefährlichen Mitglieder – die „Plava garda/ Blaue Garde“ – um jeden Preis aufgespürt werden mussten. Wenn es sie nicht gab, musste man sie eben künstlich erschaffen.

Das war die Zeit, als Sergej Kraigher, Mitglied des Parteikomitees der Kommunistischen Partei Sloweniens (KPS) für die Steiermark, über die feindliche „Plava garda/Blaue Garde“ schrieb, die es in der Steiermark jedoch gar nicht gab. Den Verdacht auf „Blaue Garde“-Zugehörigkeit „brachte“ zu Neujahr 1944 ein „Trio bedeutender Partisanen Funktionäre“ nach Bachern und forderte konkrete Parteimaßnahme.

Die Schwierigkeiten des „Buckligen Miha/Puklasti Miha“ am Ende seines Lebens beschreibt am besten Franček Majhen, der als künstlerischer Leiter und stellvertretender Direktor von Triglav Film Ende 1947 in einem Dorflokal an der Straße in Domžale ganz zufällig auf den Buckligen Miha/Puklasti Miha traf, der gerne mit seiner UDBA-Uniform mit Offiziersrang prahlte, und dieser zog ihn in einen Nebenraum des Gasthauses und sprach ihn an: „Franček, alter Freund, wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen. Weißt du, ich habe große Probleme! Sie haben wieder diese Sache von Bachern Affäre zur Sprache gebracht. Du weißt doch ganz genau, dass ich nicht allein war. Warum sollte ich denn für alles verantwortlich sein?“

1 Mile Pavlin, slowenischer Journalist, Publizist und Schriftsteller, * 30. Oktober 1926, Bitnje, † 14. Juli 2002, Ljubljana, Journalist bei Partisanen Zeitung„ Borec-Kämpfer“ und TV-15, veröffentlichte 1971 in Ljubljana den Roman „Das Geheimnis von Šimons Tod“

2 Am 9. Dezember 1970 wurde die Gerichtsverhandlung gegen den Schriftsteller und Journalisten Mile Pavlin fortgesetzt und abgeschlossen. Es wurde ihm vorgeworfen in dem Roman „Das Geheimnis von Šimons Tod“ etwas Unwahres behauptet zu haben, als er den verstorbenen Bogdan Hrovat – den „Buckligen Miha/Puklasti Miha“ – als Hauptperson des Romans beschrieb. Nach einer fünfstündigen Verhandlung sprach das Gericht Mileta Pavlin frei.

3 Die OZNA-„Abteilung für den Schutz des Volkes“ war die zentrale kommunistische jugoslawische Geheimpolizei und der Geheimdienst. Sie wurde im Mai 1944 im Rahmen der nationalen Befreiungsbewegung gegründet und fungierte nach dem Krieg als äußerst brutales Instrument der kommunistischen Machthaber zur Unterdrückung politischer Gegner, bekannt unter dem Schlagwort „OZNA sve dozna- Die Geheimpolizei weiß alles“. OZNA wurde im Mai 1944 gegründet und war bis 1946 tätig, als sie in die noch mehr gehasste „UDBA – Staatssicherheitsdienst“ umgewandelt wurde.

4 Die „Blaue Garde/Plava Garda“ , offiziell „Jugoslawische Armee im Heimatland“, besser bekannt als „slowenische Četniki“ war während des Zweiten Weltkriegs eine slowenische antikommunistische Guerillamiliz. Sie stand unter dem Kommando von General Draža Mihailović und Major Karl Novak und kämpfte gegen Partisanen und Besatzern. Historisch sind sie vor allem für die Gefechte bei Turjak und Grčarice bekannt. Entstehung: Die Einheit entstand aus den Überresten der königlichen jugoslawischen Armee, ihre Angehörigen nannten sich selbst „Jugoslawische Armee im Heimatland“. Den Namen „Blaue Garde/Plava garda “ wurde von den Kommunisten Etikettiert.

5 „Štajerski gospodar“ mit dem deutschen Untertitel Der steirische Landwirt war eine Zeitung, die während des Zweiten Weltkriegs von 1941 bis 1945 in Maribor erschien. Sie wurde von den deutschen Besatzungsbehörden herausgegeben und erschien zweisprachig, in Slowenisch und Deutsch.

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