Es war der 13. Januar 1946, ein sehr unglücklicher Sonntag in der Geschichte der Abstaller. Während der Sonntagsmesse in der Pfarrkirche in Abstall wurden die Einheimischen von den neuen kommunistischen Machthabern gestört. Die haben die Sonntagsmesse in deutscher Sprache unterbrochen und forderten von den Anwesenden „…sie haben zehn Minuten Zeit um das Nötigste mitzunehmen – maximal 10 kg“.
Die Mur wurde nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie Grenzlinie und das Abstaller Feld wurde ein Teil des Königreich Jugoslawiens, das für die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung eine große Umstellung bedeutete, an die sie sich zunächst nur schwer gewöhnen konnte.
Trotz der slowenischen Schulen im Königreich Jugoslawiens, behielten rund 3.000 Einheimische im Abstaller Feld Deutsch als Umgangssprache bei. Die Meisten erwarteten bessere Zeiten mit dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich. Aber schon nach wenigen Wochen bedeutete die Nazi-Besatzung für viele slowenischen Nachbarn Deportationen.
Aber auch den Deutschen im Abstaller Feld wurde nichts Gutes prophezeit. Einige wurden schon während des Krieges von Partisanen verschleppt, andere Mitte Mai 1945 ohne Urteil ermordet, es folgten Deportationen in das kommunistische Lager Sterntahl, heute Kidričevo. Als es schien, dass am Ende des Jahres 1945 für die Abstaller Deutschsprachigen das Schlimmste vorbei war und sie in ihrer deutschsprachigen Volksgruppe weiterhin leben können, ereignete sich der unglückliche Sonntag, der 13. Januar 1946, der alles änderte.
2181 einheimisch Deutschsprachige aus 26 Dörfern wurden auf Militärlastwagen verladen. Mindestens ein Drittel davon waren Kinder, der Älteste war 101 Jahr alt. In Radkersburg warteten bereits Viehwaggons auf sie.
Zu den Deportierten gehörte auch die Familie Mally, Besitzer der Burg Obermureck, heute Trate, ganz im Westen des Abstaller Feldes. Sohn Max und seine Frau Adelheid Mally hatten zwei kleine Kinder dabei, Karin und Maria. Marie wurde am 19. Mai 1945 geboren. Adelheid Mally gelang es noch, ihr acht Monate altes Baby Maria bei einer Freundin in Oberradkersburg abzugeben, bevor sie in Viehwaggons verladen wurden. Maria überlebte.
In der Januarkälte begann der Transport mit 84 vollen Viehwaggons auf den Schienen quer durch Ungarn nach Wien, eigentlich nach Wienerneustadt. Die neuen Machthaber der Russen-Sowjets wollten aber die Abstaller Deutschsprachigen nicht übernehmen. Die versprochene neue Heimat Österreich wurde somit neue Vertreibung. Es folgte die Rückfahrt in den Viehwaggons bis zur ungarisch-jugoslawischen Grenze, nach Murakeresztúr, wo sie drei Wochen in bitterer Kälte litten. Während dieser Zeit starben 77 Leute an Hunger und Erfrierungen.
Nach drei Wochen übernahmen sie die jugoslawischen Behörden wieder und brachten sie dann an ihren Häusern vorbei quer durch Slowenien nach Jesenice, wo sie den Österreichern übergeben wurden.
Die leeren Häuser blieben aber nicht lange leer. Es wurden Kolonisten einquartiert, die plötzlich Besitzer von Bauernhöfen wurden. Aber auch den neuen slowenischen Eigentümern gehörte sie nicht lange, weil die neuen kommunistischen Machthaber alles verstaatlichten und die Bauernhöfe in Staatseigentum übergingen.