Rede des Landeshauptmanns der Steiermark, verlesen von Herrn Gerhard Hirschmann, Abgeordneten des Steiermärkischen Landtages
Geschätzte Trauerfamilie, werte Angehörige!
Mit großer Bestürzung hat das Land Steiermark zu Beginn des neuen Jahres vom Ableben von Frau Veronika Haring erfahren.
So darf ich der Familie der Verstorbenen und der Trauergemeinde die aufrichtige Anteilnahme des Herrn Landeshauptmann Mario Kunasek übermitteln. Erst im Spätherbst letzten Jahres durfte Herr Landeshauptmann Frau Haring noch in der Grazer Burg begrüßen, um über jenes Anliegen zu sprechen, für das sie seit jeher gekämpft hat: Nämlich für die Verbesserung der Situation der deutschsprachigen Minderheit in der Untersteiermark. Dieses Gespräch hat sie mit ihm in der ihr eigenen, mitreißenden Art geführt, für die sie in ihrem Verein und bei ihren Gesprächspartnern bekannt war.
Als Angehörige der verbliebenen deutsch-untersteirischen Minderheit, von deren Zugehörigkeit sie erst mit 14 Jahren erfuhr, gründete Veronika Haring im Jahr 2000 den Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“ in Marburg. Als langjährige Obfrau des Vereins „Brücken“ ist es Veronika Haring in hervorragender Weise gelungen, untersteirisches Erbe zu bewahren und Brücken über nationale Grenzen hinweg zu schlagen.
Für ihren unermüdlichen Einsatz wurde ihr im Jahr 2015 das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark verliehen.
Frau Haring war stets Vorkämpferin für die deutschsprachige Minderheit in der Untersteiermark, die nun eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten verloren hat.
Als Abgeordneter zum Steiermärkischen Landtag und als Vertreter des Herrn Landeshauptmann darf Ihnen und allen Angehörigen mein aufrichtiges Beileid aussprechen.
Das Land Steiermark wird Frau Veronika Haring stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Ich verbleibe mit einem steirischen „Glück auf!“

Abschiedsrede von dr. Alexander Maicovski, Obmann des Alpenländischen Kulturverbandes im Graz
„Trauer ist das Heimweh des Herzens nach dem Menschen, den wir liebten.“
Sehr geehrte Familie, sehr geehrte Trauergemeinde, Hochwürden!
Als Veronika Mitte der 1990-er Jahre mit dem langjährigen Obmann unseres Vereines, Prof. Reinhold Reimann und seiner Gattin Renate einen Spaziergang an den „Drei Teichen“ (Trije ribniki) im Marburger Stadtpark machte, kamen folgende Fragen auf: „Wann wird deutsche Volksgruppe in Slowenien anerkannt?“ und „Welche Basisarbeit müssen wir leisten?“
Nachdem Veronika im Jahr 2000 den Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“ in Marburg/Maribor gründete, nahm der Verein sofort die „Basisarbeit“ auf.
Unter Leitung von Obfrau Haring wurden u. a. Deutschkurse für Kinder und Erwachsene organisiert, eine Malgruppe und eine Literaturgruppe gegründet und seit 2002 das Jahrbuch „Zwischenmenschliche Bindungen“ (Vezi med Ljudmi) herausgegeben.
Im Jahr 2005 wurde das Begegnungszentrum in der Marburger Färbergasse (Barvarska Ulica) Nr. 5 eröffnet, 2010 der international sehr erfolgreiche Hugo-Wolf-Kammerchor gegründet und wurden regelmäßig Veranstaltungen organisiert, um den deutschen Anteil an der Kulturgeschichte Marburgs in Erinnerung zu rufen. Auch beteiligten sich die „Brücken“ am Kulturhauptstadtjahr 2012 mit Beiträgen zur Ausstellung „Deutsche und Marburg“ („Nemci in Maribor“).
Seit Beginn der „Brücken“-Aktivitäten erfolgte eine enge Zusammenarbeit zwischen Marburg/Maribor und Graz. Dabei war nicht nur die finanzielle Unterstützung der Projekte durch den Alpenländischen Kulturverband, sondern vor allem auch die persönlichen Kontakte ein Zeichen der tiefen Verbundenheit unserer Vereine.
Die gemeinsamen steirischen Wurzeln zu pflegen, führte schließlich dazu, dass vom Alpenländischen Kulturverband im Jahre 1995 das „Steirertreffen“ ins Leben gerufen wurde.
Dieses seit damals jährlich organisierte Treffen von Steirern aus dem Bundesland Steiermark, aus der Untersteiermark und aus dem Banater Bergland in Rumänien führte auch dazu, dass Veronika und die „Brücken“ enge Beziehungen zum Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen unter Obmann Prof Erwin Ţigla aufbaute.
Für Jahrzehnte war das Trio „Haring – Reimann – Ţigla“ ein grenzübergreifender „Brückenbauer“. In den letzten drei Jahren durfte ich als neuer Obmann daran teilhaben.
Neben der Basisarbeit setzte sich Veronika unermüdlich für die Anerkennung der deutschen Bevölkerung als autochthone Minderheit in Slowenien ein. Unzählige Besuche – meist in Begleitung Ihres kongenialen Mitstreiters Jan Schaller – bei Politikern im In- und Ausland, bei überstaatlichen Organisationen und Interessensgruppen, dienten dazu die rechtliche Gleichstellung ihrer untersteirischen Landsleute und deren muttersprachlichen Rechte in der Republik Slowenien zu erreichen. Für dieses Ziel hat Veronika bis zum Schluss gekämpft.
An dieser Stelle darf ich die aufrichtige Beileidswünsche der „Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland“ und von dessen Vorsitzenden, Herrn Hartmut Koschyk, übermitteln.
Liebe Veronika!
Für Dein jahrzehntelanges Engagement für die deutsch-untersteirische Minderheit in Slowenien wurdest Du mehrfach von staatlichen und privaten Institutionen ausgezeichnet.
Namentlich seien hier nur die Ehren-Mitgliedschaft des Bundes der Kulturvereine Marburg (2021), das goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2018), die Mérite Européen in Silber (2016) und das goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark (2015) genannt.
Für Dein Lebenswerk warst Du rastlos und ruhelos.
Hast Du aber je einen Ort gefunden, wo Du Dich geborgen gefühlt hast?
Als wir im Jahr 2023 anlässlich des Steirertreffen in Steierdorf im Banater Bergland waren, habe ich Dich gefragt, was für Dich Deine Heimat ist.
Deine Antwort war: „Ich habe keine Heimat!“
Du erklärtest mir dann, dass Du in Slowenien immer als „Deutsche“ angefeindet wurdest und Du deshalb ein Gefühl des „Ausgeschlossen-Seins“ empfunden hast. Auf der anderen Seite warst Du in Österreich die Fremde aus Jugoslawien bzw. aus Slowenien.
Wir Christen betonen oft: „Unsere Heimat aber ist im Himmel” (Brief an die Philipper 3,20), das heißt, dass der Mensch hier auf Erden keine Heimat hat und seine wahre Heimat erst im Jenseits findet.
Du, Veronika, hast jetzt eine Heimat im Himmel gefunden.
Du hast aber mit Sicherheit auch eine weitere Heimat gefunden – den Platz in unseren Herzen!
Danke für Deine offene und liebenswürdige Art, Deinen Enthusiasmus und Deinen unerschütterlichen Einsatz für die Gleichberechtigung und Anerkennung der Deutschen als autochthone Minderheit!
Wir werden Dich nie vergessen!

Abschiedsrede von Ing. Norbert Kapeller, Präsidenten des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ)
Abschied von einer Brückenbauerin: In Gedenken an Veronika Haring
Mit tiefer Betroffenheit und großer Trauer hat der VLÖ die schmerzliche Nachricht vernommen, dass Veronika Haring am 2. Januar 2026 – nur wenige Tage vor ihrem 78. Geburtstag – nach kurzer, schwerer Krankheit für immer von uns gegangen ist. Ihr Tod reißt eine tiefe Wunde und hinterlässt einen Platz in unserer Mitte, der leer bleiben wird. Der gesamte VLÖ-Vorstand verneigt sich in Dankbarkeit vor ihrer Lebensleistung und spricht ihrer Familie – den zwei Töchtern und vier Enkelkindern – sein tief empfundenes Beileid aus.
Veronika Haring, geboren am 9. Januar 1948 in den Windischen Büheln, war die langjährige Obfrau des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen »Brücken« in Marburg/Maribor. Sie war weit mehr als eine Funktionärin – sie war das Herz und die unersetzliche Säule der deutschsprachigen Volksgruppe in der Untersteiermark. Ihr Lebensweg zeugt von einer tiefen Hingabe an Sprache und Kultur: Nach Jahren in Graz, wo sie ihre Deutschkenntnisse perfektionierte, wirkte sie jahrzehntelang als Buchhändlerin und spätere Geschäftsführerin in Marburg. Ihre Liebe zur Literatur und ihr professioneller Hintergrund bildeten das Fundament für ihr späteres, weitreichendes kulturelles Wirken.
Als unermüdliche Kämpferin setzte sie sich zeitlebens mit Leidenschaft für die offizielle Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien ein. Sie war eine Brückenbauerin par excellence, die es verstand, Gräben zwischen Kulturen, Sprachen und Generationen zu überwinden – eine Haltung, die sie auch durch ihre Vernetzung mit europäischen Verantwortungsträgern und Minderheitenvertretern lebte.
Im Jahr 2000 war sie Mitbegründerin des Kulturvereins »Frauen Brücken«. Unter ihrer visionären Führung entwickelte sich dieser Verein zu einer Institution, deren Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausreichte. Sie initiierte nicht nur Sprach- und Computerkurse sowie den international renommierten Kammerchor »Hugo Wolf«, sondern gab auch zweisprachige Jahrbücher heraus. Ein besonderer Meilenstein war ihr 2018 veröffentlichtes Werk »Das zweite Gesicht Marburgs: die verschwiegenen Gestalter der Marburger Kultur«, mit dem sie vergessenen Persönlichkeiten der Stadt ein Denkmal setzte.
Für ihre außerordentlichen Verdienste wurde Veronika Haring vielfach geehrt. Sie trug das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2018), das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark (2015) sowie den Mérite Européen in Silber (2016). Auch die Stadt Marburg würdigte sie 2021 mit der Ehrenmitgliedschaft im Bund der Kulturvereine.
Was bleibt, ist ein sichtbares und dauerhaftes Vermächtnis. Veronika Haring hat entscheidend dazu beigetragen, die kulturelle und muttersprachliche Gleichberechtigung voranzutreiben und die Identität der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien zu bewahren. Wir werden Veronika Haring stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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Redakteur: Jan Schaller
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