Buchrezension von Erich Witzmann, in der Presse am 01.05.2025
In Wort und Bild: Ein Land oder doch zwei Länder?
Vom Frühmittelalter bis in die Gegenwart wird in dem Werk „Beidseits der Alpen“ die Geschichte einer Region behandelt. 21 Autoren und Autorinnen legen Gemeinsamkeiten und Zerwürfnisse dieses Lebensraums offen.
Der Name galt und gilt als österreichisches Markenzeichen: Puch-Fahrräder, Mopeds, Motorroller und -räder dieser Firma sowie die legendäre „Puch-Semmel“, der Kleinstwagen der 1960er-Jahre. Und doch, der Gründer dieser Motorwerke, Johann Puch (1862–1914), war kein Österreicher. Janez Puh wurde als Kind slowenischsprachiger Kleinbauern in Sakuschak (Juršinci) in der seinerzeitigen Südsteiermark (bei Pettau/Ptuj) geboren, ging mit zwölf Jahren als Wanderbursche nach Wien und später nach Deutschland. Er entstammte also der österreichischen Monarchie.
Der Abriss über Johann Puch ist nur ein Detail, eine ganz kleine Passage, in dem fast 600 Seiten umfassenden österreichisch-slowenischen Geschichtsbuch, das im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aufgelegt und dessen Erscheinen vom Österreichischen Zukunftsfonds gefördert wurde. „Beidseits der Alpen“, so der plakative Buchtitel, wurde von 21 Verfassern – aktiven und emeritierten Universitätsprofessoren – geschrieben. Die österreichischen und slowenischen Autoren und Autorinnen lehrten und lehren an den Unis Wien, Graz, Klagenfurt, Laibach/Ljubljana, Marburg/Maribor, Koper und Nova Gorica sowie der ÖAW.
Länder driften auseinander
Das Geschichtswerk setzt bei den Slawen und Bayern im gemeinsamen Raum im 8. Jahrhundert an und führt über all die parallelen Entwicklungen und Bruchlinien der Geschichte bis zur aktuellen Migrationskrise. Intensiv beleuchtet werden die Steiermark und Kärnten, Krain und die (östlich der Adria gelegenen) Küstenlande und natürlich Slowenien. Die „Alpen“ im Buchtitel sind etwas übertrieben gewählt, es geht vielmehr um die Länder zu beiden Seiten der Karawanken.
In der frühen Neuzeit waren die stets drohende Osmanengefahr sowie die zum Schutz vor Einfällen errichtete Militärgrenze das verbindende Element. Doch wann wurde aus dem Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner ein Nebeneinander-Leben, wann drifteten die Länder auseinander? Als in den 1880er-Jahren der Deutsche Schulverein und dann die Südmark gegründet wurden, war dieses Auseinanderdriften schon voll im Gange. Beide Vereine wollten den Besitzstand des Deutschen und das deutsche Schulwesen im gemischtsprachigen Gebiet absichern, stießen aber auf die als Antwort gegründete Kyrill-und-Method-Gesellschaft der Slowenen. Der Volkstumskampf war – unter Mitwirkung lokaler Politikergrößen – voll im Gange.
Subjektive Perspektive erleben
Vom Herzogsstuhl auf dem Kärntner Zollfeld (9. Jahrhundert) bis zum umjubelten Einzug der Partisanenarmee in Ljubljana (9. Mai 1945) – ist dies die Geschichte einer Region oder sind es doch zwei Länder, die hier in Wort und Bild (äußerst informative Fotowiedergaben) beschrieben werden? Die Lesenden werden wohl zu ihren eigenen Schlüssen kommen. Von österreichischer Seite gehören die beiden Osteuropa-Historiker Arnold Suppan und Oliver Jens Schmitt dem vierköpfigen Herausgeberteam des Buches an. „Beidseits der Alpen“ ist keine bloße Aneinanderreihung der geschichtlichen Abläufe, vielmehr werden immer wieder einzelne Personen hervorgehoben und in Exkursen behandelt. Dadurch lässt sich das Geschehen aus der Perspektive einzelner Individuen miterleben.
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Redakteur: Jan Schaller
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