Literarisches Schaffen

Foto Maja Šivec

      Mitglieder unseres Kulturvereins sind auch in anderen Bereichen aktiv. So engagieren sich beispielsweise Ivana Hauzer und Janez Dreu, die Bücher schreiben und verlegen, auch im Literaturhaus Maribor, wo regelmäßig Buchpräsentationen veranstaltet werden.

Am Dienstag, dem 17. Februar 2026, fand am späten Nachmittag im Literaturhaus Maribor ein literarischer Abend mit der Vorstellung zweier Gedichtbände von Janez Dreu statt. „Satovje prepišnega nozlovja“ und „Oglatosti metulja“(Die wabenförmige Struktur der vom Wind verwehten Knoten und die eckige Gestalt des Schmetterlings). Janez Dreu wurde vom Dichter, Literaturkritiker, Essayist und Übersetzer Marjan Pungartnik, interviewt. Pungartnik wurde für sein Lebenswerk mit der Goldenen Plakette der JSKD – Staatlicher Fonds für kulturelle Aktivitäten ausgezeichnet.

Der Dichter und Naturforscher Janez Dreu sammelte vor der Veröffentlichung seines Debütbandes „Plimovanje v osekah – Meeresflut in Ebbe“ (Kulturno društvo Mariborska literarna družba, 2025) Erfahrungen in Zeitschriften im In- und Ausland und nahm an Wettbewerben und Lesungen teil. Die Poesie wurde zu seiner neuen Heimat. Durch sie drückt er seine Wahrnehmung der Welt aus, wie er sie sieht, hört, riecht, berührt und fühlt.

2025 veröffentlichte er zwei weitere Gedichtbände: „Satovje prepišnega vozlovja“ und „Oglatosti metulja“. Beide sind im Verlag des Instituts für Kunst und Kultur Volosov hram erschienen. Seine Gedichte wurden ins Deutsche, Kroatische und Serbische übersetzt.

Janez Dreu, ein Erzähler, ein Liedermacher, präsentiert in Form lyrischer Miniaturromane Jedes Gedicht ist eine neue Meditation und Kontemplation, ein Eintritt in eine neue Welt und eine neue Erfahrung. Jedes Gedicht kann für sich atmen und doch sind es Gedichte, die gerade durch ihre rhythmischen Wendungen und Abstufungen als reine Poesie gelten. Gerade diese Art lässt den grundlegenden Unterschied zwischen Prosa und Poesie erkennen, benennen und festhalten.

Janez Dreu ist ein Dichter, der uns mit jedem neu geschriebenen Gedicht überzeugt, mit jedem neuen Vers entführt er uns in eine neue Welt – seine eigene, einzigartige, aber auch kommunikative und angenehme. Er ist ein Autor, der selbst die komplexesten und schwierigsten Erkenntnisse des Lebens, vielleicht existenzielle Probleme und Prüfungen, trostlose Turbulenzen, in einem ruhigen Ton artikuliert. Das zeigt, dass Dreu ein präzises Gespür für den Alltag hat, sei er hell, dunkel oder malerisch.

Im vollbesetzten Saal des Literaturhauses am Drau Ufer „Lent“ in Maribor folgte nach dem offiziellen Teil noch ein geselliges Beisammensein mit den beiden Schriftstellern in entspannter Atmosphäre, erfüllt von der Energie der Poesie.

Fotos Maja Šivec

plagiat

schatten kriechen
unter tisch und stuhl
sie tragen schriftstücke
geformt von allen zeiten
zum blick mit dunklem glanz
in einer nacht mit neumond und ohne sterne
du tastest nach dem talglicht
um die schatten aufzuhalten
den blick auf die keilschriften gerichtet
bei vollmond ist es zu spät
die pergamente liegen offen
ein hammer fällt auf die finger der linken hand
stöhnen und weinen hallen von wänden und boden
selbst die funzel erlischt vor schmerz
du suchst den eimer mit dem eis
und umarmst unterm stuhl einen weichen klumpen.

kuss der stille

der mond küsst den ozean
stürzt in den schoß der wiege
verlässt den streit zwischen tag und nacht
verdunklung dringt ins unterholz
schnäbel graben in der erde
würmer sind in tunneln verborgen
stille
grün gefärbt
springt rasend an den ohren vorbei
hockt heimlich auf der mohnwiese

meine stille verdampft augenblicklich
als hundert hämmer schlagen
auf wegen und straßen
in wäldern und wohnräumen

selbst schnäbel würmer und streitereien verstummen
beim heulen der wölfe
unter den kronen unruhiger eichen

nur zitterst du noch
und suchst nach dem schutz des tages
deine pantoffeln bindest du an den ast überm zaun
und kühlst die erhitzten füße

Foto Maja Šivec

Foto Maja Šivec

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