Erinnerung, Integration und demokratische Teilhabe sind wesentliche Bestandteile einer lebendigen Gesellschaft. Zu dieser gehört auch die Geschichte der deutschsprachigen Altösterreicherinnen und Altösterreicher.
Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie entstanden neue Nationalstaaten. Deutschsprachige Bevölkerungsgruppen finden sich plötzlich außerhalb der Republik Österreich wieder. Diese “Altösterreicherinnen” und “Altösterreicher” waren über Jahrhunderte Teil eines vielsprachigen, kulturell verflochtenen Raums. Die Umbrüche der Zwischenkriegszeit, Nationalsozialismus und Krieg prägen ihre Geschichte tief. Zwischen 1944 und 1947 werden Millionen deutschsprachiger Menschen zur Flucht gezwungen oder vertrieben.
Viele gelangten in das vom Krieg gezeichnete Österreich. Hier beginnt ein schwieriger, mit den Jahren zunehmend erfolgreicher Integrationsprozess. Auch das Parlament befasste sich früh mit der Lage der Vertriebenen: mit Fragen der Staatsbürgerschaft, der sozialen Absicherung sowie der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe. Das Zusammenspiel von Bund, Ländern und Gemeinden, zivilem Engagement und Eigeninitiative schafft die Voraussetzungen für Wohnraum und Arbeit. Über die Jahrzehnte wurden die Altösterreicherinnen und Altösterreicher zu einem festen Teil der österreichischen Gesellschaft und ihres historischen Gedächtnisses.
Wer sind die Altösterreicherinnen und Altösterreicher?
Eine einfache Antwort gibt es nicht. Der Begriff liegt zwischen Herkunft, Sprache, Erinnerung und Zuschreibung. Im Mittelpunkt stehen deutschsprachige Menschen aus Herkunftsgebieten, die außerhalb der nach 1918 bestehenden Grenzen Österreichs lagen, aber eng mit der Geschichte des Landes verbunden waren, wie auch ihre Nachkommen.
Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel die Habsburgermonarchie. Die Republik Österreich wurde zu einem ihrer Nachfolgestaaten. Die Heimat vieler deutschsprachiger Menschen lag nun außerhalb Österreichs. Einige wurden Teil der neuen österreichischen Gesellschaft. Viele lebten weiterhin in Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie wie Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien, der Bukowina, in Zips, dem Banat, dee Batschka oder in Siebenbürgen. Die Suche nach einem besseren Leben führte zu Migrationsbewegungen innerhalb Mitteleuropas, aber auch nach Übersee.
Woher stammen die deutschsprachige Altösterreicherinnen und Altösterreicher?
Deutschsprachige Altösterreicherinnen und Altösterreicher, die durch Umsiedlung, Flucht und Vertreibung nach Österreich gelangten, stammten aus unterschiedlichen Regionen der einstigen Habsburgermonarchie: aus den böhmischen Ländern, aus Galizien, der Bukowina und dem Karpatenraum, aus Siebenbürgen, Batschka, Banat und Slawonien sowie aus der Gottschee, der Krain, der Untersteiermark und weiteren Regionen und Städten in den Nachfolgestaaten der Monarchie.
In der Folge des Zweiten Weltkriegs finden Hunderttausende deutschsprachige Menschen aus Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie in Österreich eine neue Heimat. Die Ausstellung “Blickwechsel. Das Erbe Altösterreichs” im Demokratikum – Erlebnis Parlament setzt bei dieser Zäsur an, erzählt aber eine Geschichte, die früh beginnt und bis in die Gegenwart reicht.
Sie führt zurück in die alten Heimaten, zu Ansiedlungen, Zusammenleben, politischer Teilhabe und kulturellen Prägungen – und weiter zu Flucht, Vertreibung, Integration und Erinnerung. Litfaßsäule und Schauvitrinen machen anhand ausgewählter Beispiele sichtbar, wie dieses europäische Erbe die Republik Österreich bis heute prägt.
Text und Fotos © Parlamentsdirektion
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Redakteur: Jan Schaller
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