WIR LESSEN: DAS FESTUNGSDREIECK,
Die politische Orientierung der Deutschen in der Untersteiermark (1861-1914), 389 Seiten, erschienen bei Verlag OBZORJA Maribor, 1997
Autor: Dr. Janez CVIKL (1960-2013), slowenischer Historiker,
Zusammenfassung in deutsche Sprache auf Seiten 377-389
Einige interessante Zitate aus dem umfangreichen Buch
Die politische Orientierung der Deutschen in der Untersteiermark (1861-1914), 389 Seiten, erschienen bei Verlag OBZORJA Maribor, 1997
Autor: Dr. Janez CVIKL (1960-2013), slowenischer Historiker,
Zusammenfassung in deutsche Sprache auf Seiten 377-389
Einige interessante Zitate aus dem umfangreichen Buch
VORWORT:
Die slowenische Seite stereotypisiert „die deutsche Unterdrückung der Slowenen, die geplante Germanisierung, den Bau der deutschen Brücke zur Adria in den Diensten der großdeutschen imperialistischen Politik und will damit beweisen die Kontinuität der (groß)deutschen Politik.
Die deutsche (österreichische) Seite will dagegen pauschal beweisen, den (ur)deutschen Charakter der Untersteiermark und die Ungerechtigkeiten, die die Untersteiermark-Deutschen nach der Auflösung der Monarchie erlitten haben. Dabei neigen beide Seiten dazu, den dramatischen Nationalitätenkonflikt vom Ende des letzten Jahrhunderts in eine Zeit zu projizieren, in der das Nationale noch nicht im Vordergrund stand, wobei sowohl der breitere österreichische politische Kontext als auch die unterschiedliche nationale Entwicklung der untersteirischen Gebiete völlig außer Acht gelassen wird.
EINLEITUNG (Seite 9-19)
Wenn in der Untersteiermark bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts und sogar darüber hinaus von Deutschen und Slowenen die Rede war, dann waren die Slowenen (außer im Abstallfeld) immer Landbewohner und die Deutschen Stadt- oder Marktbewohner. In der ethnographischen Statistik von Czoernig aus dem Jahr 1846 heißt es, dass in den meisten größeren untersteirischen Städten “deutsche Stimmen” zu hören sind.
Natürlich handelt es sich hier nicht um “urdeutsche Städte”, die von deutschen Kolonisten auf den Ruinen antiker Städte errichtet wurden und dann ihren “deutschen Charakter” bis zum Beginn der modernen Nationalbewegungen bewahren konnten, wie die deutsche politische Publizistik gerne betonte. Der “deutsche Charakter” der untersteirischen Städte und Märkte manifestierte sich nur in Form von den traditionellen sprachlichen Beziehungen. Die „deutsche Volkssprache“ war ein äußeres Symbol des Bürgertums gegenüber der umgebenden Bauernschaft, die bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich slowenisch sprach. Aber auch Slowenisch sprachige, die in das städtische Umfeld kamen, übernahmen schnell die deutsche Sprache, die dem städtischen Umfeld angepasst war.
Das Leben in Marburg an der Drau in der Mitte des letzten Jahrhunderts war überwiegend deutsch, obwohl die überwiegende Mehrheit der Stadtbewohner auch Slowenisch beherrschte. Rudolf Puff (1808-1865), ein Gymnasialprofessor, beschrieb in seinem Buch: Marburg in Steiermark, seine Umgebung, Bewohner und Geschichte, 1847, die Situation in Marburg folgendermaßen: “Das Leben in Marburg ist immer deutsch, obwohl die Stadt inmitten von Slowenen liegt. Fast alle Einwohner der Stadt verstehen sowohl Deutsch als auch Slowenisch. Die Geschäftsleute lernen Deutsch meist innerhalb des ersten Jahres nach ihrer Ankunft in die Stadt.“
Eine ähnliche sprachliche Situation herrschte auch in Cilli/Celje, obwohl die Rolle der slowenischen Sprache in der Vormärzzeit in der Stadt an der Sann größer gewesen zu sein scheint als beispielsweise in Marburg. Dies berichtet auch Jurij von Martens, der auf seiner Reise durch die slowenischen Länder im Jahr 1818 in Cilli ein slowenisches Grammatikbuch kaufen musste, “weil man mit Deutsch allein nicht alles erledigen kann”.
Auch in den kleineren Orten der Untersteiermark, die sich kaum von ihrer ländlichen Umgebung unterschieden, war die Bevölkerung mehr oder weniger zweisprachig, wenngleich das Deutsche eine Art äußeres Zeichen für einen “Edl-Herrschaft” war. Dr. Josip Sernec beschrieb die Sprachgewohnheiten seiner Familie in Windischfeistritz/Slovenska Bistrica: “Mein Vater sprach fließend Slowenisch, auch meine Mutter beherrschte slowenische Sprache, aber sie mischte gerne Deutsche Wörter in ihre Sprache. Zuhause wurde mit Kindern Deutsch gesprochen”. Ähnlich war die sprachliche Situation bei der Familie Woschnagg in Schönstein/ Šoštanj: “Wir haben uns weder als Deutsche noch als Slowenen gefühlt, weil bis 1848 niemand an die Nationalität gedacht hat. Zu Hause haben wir meistens deutsch miteinander gesprochen, aber wir konnten auch slowenisch.”
Bis zur Märzrevolution 1948 waren in der Untersteiermark keine nationalen Konflikte spürbar, denn die Untersteirer waren in erster Linie Steirer/Štajerci, stolze Stadtbewohner und große Lokalpatrioten, die im Alltag deutsch und slowenisch sprachen, aber gegen Deutsch- und Slowenisch ziemlich neutral, denn die Nationalitätenfrage war denen damals nicht bewusst.
In der Untersteiermark reagierte man auf die Revolution von 1848 mehrheitlich mit gemischten Gefühlen, war aber mehrheitlich der Überzeugung, dass das “rein nationale Prinzip”, wie es von den nationalen Bewegungen in ganz Mitteleuropa angestrebt wurde, zum Zerfall des Staates führen könnte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Deutschen in der Untersteiermark im Revolutionsjahr 1848 alle die (zu)radikale (ultranationalen) Ideen entschieden ablehnten und mit ganzem Herzen für die nationale Gleichheit eintraten. In diesem Zusammenhang lehnt auch das deutsche Bürgertum das Programm eines vereinigten Sloweniens mit genau denselben Argumenten ab, wie bei „der deutschen Einigung“ (mit einigen Ausnahmen), da es stark österreichisch orientiert war. Die österreichische Monarchie bedeutete denen offensichtlich mehr, als ein vereinigtes Deutschland (Wahlen zum Frankfurter Parlament).
Die ausgeprägt österreichische Haltung ist auch im gegründeten Verein für die Vermittlung zwischen den slowenischen und deutschen Nationalitäten, der Mitte Mai 1848 in Cilli/Celje auf Initiative von Dr. Mathias Foregger (ein Rechtsanwalt aus Cilli, der auch in der Politik tätig war) gegründet wurde, voll und ganz vorhanden. Der Verein, der die Aussöhnung zwischen den beiden Völkern zum Ziel hat, tritt in seinem Programm für ein starkes und geeintes Österreich ein, in dem alle Völker völlig gleichberechtigt sind. Am 1. Juli 1848 wurde das Cillier Deutsche Journal in Cillier Zeitung umbenannt, mit dem Untertitel “Zeitung für Stadt und Land, mit besonderer Rücksicht auf deutsche und slavische Interessen”.
Obwohl die Deutschen in der Untersteiermark – vor allem aus Furcht vor dem Auseinanderbrechen des Staates – gegen das absolute Nationalprinzip und für ein geeintes, starkes und gerechtes Österreich sind, sind sie sich doch bewusst, dass die neue Staatsrechtsordnung nicht ohne Lösung nationaler Probleme sein wird. Als am 9. August 1848 die steirische Landesversammlung auch mit slowenischer Stimmenmehrheit den Beschluss über die Unteilbarkeit der Steiermark fasste, war die Mehrheit der Deutschen in der Untersteiermark davon überzeugt, dass die beste Lösung zur Erreichung der nationalen Gleichberechtigung nationalverfasste Bezirke sein werden. “Für ein Österreich, das niemandes Stiefmutter sein wird”.
Trotz des Erwachens eines slowenischen und deutschen Nationalbewusstseins im Jahr 1848 blieb das slowenisch-deutsche Nationalverhältnis in den 1850er Jahren ähnlich wie vor dem März 1848. “Wenn die Gendarmerie der Einzige war, die es wagt, sein Selbstbewusstsein auf der Straße zu zeigen.” Die umfangreichen Polizeiberichte über die politische Stimmung in der Bevölkerung sprechen vor allem von einer weit verbreiteten Unzufriedenheit mit dem Absolutismus und dem Polizeiregime.
Und auch die sprachliche Situation bleibt mehr oder weniger wie vor der Revolution 1848. In den Städten und Märkten der Untersteiermark ist die Sprache der “Herren und besseren Bürger” fast ausschließlich Deutsch, obwohl die meisten von ihnen natürlich auch Slowenisch sprechen, aber das äußere Erscheinungsbild der städtischen Siedlungen ist fast ausschließlich deutsch.
Die entscheidende Phase der nationalen Differenzierung tritt also erst nach der Wiederherstellung des verfassungsmäßigen Lebens ein, als das Bürgertum in den Städten und in den Märkten der Untersteiermark gezwungen ist, sich national zu definieren. Obwohl sich anfangs viele nicht entscheiden können oder auch nicht wollen und versuchten weiterhin eine hierarchische deutsche und slowenische Identität aufrechtzuerhalten, wird diese undefinierte Position zunehmend unhaltbar. Bald nach der Wiederherstellung des verfassungsmäßigen Lebens bildet sich in der Untersteiermark neben der slowenischen Nationalpartei eine deutsche (verfassungsgläubige) Partei.
e-mail: STEIERMARK.STAJERSKA@GMAIL.COM
Redakteur: Jan Schaller
Ein Unabhängiges Autorenprojekt des Bundes der Kulturvereine der Gottscheer und Steirer in Slowenien
Die Beiträge der Autoren und Autorinnen der Webseite Steiermark-Stajerska müssen nicht der offizielle Meinung des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten entsprechen.
Datenschutzrichtlinie | Copyrights by JanSchaller | Developed by EMBE VICE Digital Agency