Für die Präsentation des neuen historischen Romans KRUŠNI OČE (Der Pflegevater), der die Biografie des auch noch heute in Marburg sehr bekannten Marburger Textilindustriellen Josip Hutter beschreibt, wählten Autor Orlando Uršič, Verleger Primož Premzl und Melita Forstnerič Hajnšek, die das Interview bei der Präsentation führte, den ungewöhnlichsten Ort, nämlich die Eingangstreppen des Nationalmuseums der slowenischen Befreiungsfront, zumal auch Hutters ausgesiedelte Nachfahren anwesend waren, alle im Ausland geboren, die meisten in den Niederlanden, und niemand von ihnen kann noch ein Wort Slowenisch.
Ein verbindendes Element ist die Bronzestatue der Wollspinnerin, die einst den Park der Textilfabrik Hutter in Melling geschmückt hat, glücklicherweise rechtzeitig gerettet werden konnte und nun ihren Platz direkt neben dem Eingang des Museums gefunden hat. Die Verwandten von Hutter möchten aber, dass die Bronzestatue der Wollspinnerin in der slowenischen Nationaltracht ihren Platz im öffentlichen Raum findet und allen, die nach Marburg kommen, als Erinnerung an schöne Zeiten zur Schau gestellt wird.
Obwohl wir uns schon von einigen Denkmälern verabschiedet haben, ist Hutter mit dem Hutter Block, seiner Textilfabrik, der Pobrsch-Siedlung für Angestellte und nicht zuletzt mit seiner Hutter Villa beim Park noch jeden Tag unter uns, auch wenn keine Statue an ihn erinnert.
„Die Geschichte des Romans spielt während des Zweiten Weltkriegs und einige Jahre danach, als viele ihr Eigentum verloren haben, viele auch Familienmitglieder, und vor allem wurden in dieser turbulenten Zeit viele Pläne durchkreuzt, und die Menschen wurden ihrer Träume, Wünsche und Möglichkeiten beraubt,“ erklärte in der Einleitung bei der Buchvorstellung der Autor Orlando Uršič.
Als der jüngeren Generation zugehörig musste der Autor des Buches tief in das Beschriebene eintauchen, und er hatte auch persönliche Gespräche mit Angehörigen, die ihm während der Dokumentationssuche auch „graue Flecken“ erklärten. „Über die Marburger-Deutschen und Josip Hutter ist schon viel geschrieben worden, aber jetzt liegt uns der erste Roman vor, der im Wesentlichen das literarisch-tragische Schicksal der Familie Hutter beschreibt, und dabei auch viele andere Marburger-Deutsche, die nicht alle Nazis waren“, erklärte der Autor des Buches, Orlando Uršič, und fügte hinzu, dass in der Stadt Marburg auf beiden Seiten viele außergewöhnliche Menschen lebten, die er in diesem Roman aus der Vergessenheit lockte. Das Hauptmotiv des Romans „Der Pflegevater“ ist nämlich die symbolische Rehabilitierung all jener, denen im Krieg und nach dem Krieg Unrecht geschah
Und dann überraschte der junge Autor mit einer besonderen Ansage. Bei den Vorarbeiten für das Buch habe er all die Ungerechtigkeiten erkannt, denen die Familie Hutter nach dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt war, und er bat die anwesende Familie Hutter um Verzeihung für all die Fehler, die leider nicht mehr korrigiert werden können. „Aber mit Dokumenten und Büchern können wir wieder an jenen verdrängten Teil von Marburg erinnern, als alle Deutschen aus Marburg beiseitegeschoben und mit Vergessenheit und Fluch verbannt wurden, obwohl nicht alle Nazis waren. Damals wollten wir ihnen nicht helfen, wir haben es vorgezogen, sie zu vertreiben.“
Das Buch KRUŠNI OČE in slowenischer Sprache kann im Kunstkabinett Primož Premzl, in der Slovenska ulica 8 in Maribor, zum Preis von 24,90 € erworben werden. Der Verlag Premzl bietet auch noch das erste Buch über Hutter „Josip Hutter und Wohnkultur“ von Dr. Jerneja Ferlež zum Preis von 18,90 €, aber leider nur noch in Englischer Sprache.
Foto2. Widmung des Autors und Familie Hutter
Foto3. Familie Hutter bei der Präsentation des Buches
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Redakteur: Jan Schaller
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