EHEMALIGE ZWEISPRACHIGE KOEXISTENZ

 

BUCH: Die Siedlungskontinuität der deutschsprachigen Bevölkerung zwischen Drau und Mur,  

Diplomarbeit von  Alan Wamberger, Universität Laibach/Ljubljana

Verläger  Alpenländischer Kulturverband  Südmark (AKVS), Graz 2018.

108 Seiten mit drei  Sprachenkarten und Deutsch-Slowenischer und Slowenisch-Deutschen Ortsnamen (Seiten 91-107)

Slowenischer  Originaltitel der Diplomarbeit: Kontinuiteta nemško govorečega prebivalstva med Dravo in Muro

Einige interessante Zitate aus dem Buch (108 Seiten)

    Wir werden Orte behandeln, bei denen die Kontinuität einer Stadt oder eines Marktes bereit seit dem Mittelalter besteht. Für das bessere Verständnis und die Behandlung werden wir die Städte und Märkte in Sprachgruppen in drei Gruppen teilen, hinsichtlich des Anteiles der Bevölkerung mit deutscher Umgangssprache:

1. EXPLIZIT DEUTSCHE STÄDTE

Marburg,1880-deutsch 84 %, 1890 – 83,9 %,1900 – 82,3 %,1910-85,1%
Pettau, 1880 -75 %, 1890 – 80,8 %, 1900 – 84,2 %,1910 – 85,3 %
Radkersburg-Stadt,1880-94,8%, 1890-94,7%, 1900-94,1%, 1910-97,1%
Abstallfeld/Apaško Polje- 1880-1918 war das gesamte Gebiet von 36 km2 deutschsprachig; in einzelnen peripher gelegenen Dörfern in Suden lebten einige Slowenen.

2. ZWEISPRACHIGE MÄRKTE

St. Leonhard in den Windischen Büheln/Lenart v Slovenskih goricah

1880 – 51,2 %, 1890 – 54,9 %, 1900 – 50,4 %, 1910 – 51,6 %

Luttenberg/Ljutomer 1880-43,4 % 1890-39% 1900-45,7 % 1910 – 52 %

3. EXPLIZIT SLOWENISCH
Wernsee/Veržej 1880 deutsch – 0,6 % 1890-1,2 %, 1900-0 %,1910-0%
Polstrau/Središče ob Dravi1880-2,2% 1890-1,7% 1900-0,9%,1910-0,4%

    Nürnberger Chronist Hartmann Schedl schreibt „wer vom gesamten Herzogtum Steiermark spricht ist klar, dass die Stadtbevölkerung in der Regel Deutsch war.

    Wenn wir die deutschen Volksstämme erwähnen, dürfen wir nicht annehmen, dass es um zahlreiche Angehörige geht, denn die Vorfahren der deutschsprachigen Bauern sind vor allem aus Bayern, ein kleiner Anteil wohl auch aus Schwaben und Franken in die Steiermark gekommen. Wenn es sich im 19. Jahrhundert wirklich um Nachfahren deutsche Kolonisten aus dem Mittelalter handelt, muss deshalb auch eine Kontinuität während der frühen Neuzeit vorhanden sein.

Zellnitz an der Drau/Selnica ob Dravi….Das beweist uns nicht nur die Präsenz der deutschen Sprache unter der Bevölkerung, sondern auch, dass die deutsche Bevölkerung einen beträchtlichen Teil in der Pfarre ausmachte, was uns die Kontinuität der Sprache zu Ende des 19. Jahrhunderts bestätigt. Also können wir zweifellos daraus schließen, dass die Pfarre Zellnitz ethnisch gemischte war.

Gams/Kamnica -können wir ähnlich, wie für Zellnitz schließen, dass es sich um eine ethnisch gemischte Pfarre handelt und im 18. und 19. Jahrhundert zur Vorherrschaft der slowenischen Sprache gekommen ist.

Witschein/Svečina -Bedingt können wir es unter die ethnisch gemischten Pfarren einreichen, wo aber das slowenische Element überwiegt. Das bestätigt auch die Sprache der Predigt, wobei wohl in der Pfarre selbst auch eine deutsche Bevölkerung lebte.

Jahring/Jarenina – für uns ergibt sich die Hypothese, dass in der Pfarre Jahring ein deutsches Element vorhanden sein musste, oder zumindest in der Zeit davor müsste dies der Fall gewesen sein. Die Pfarre Jahring grenzte im Westen an Witschein/Svečina und im Norden an die Pfarre Gamlitz und Mureck, die sich heute in Österreich befinden. Auch die zitierten Daten am Ende des 19. Jahrhunderts zeugen von der Präsenz der Deutschsprachigen in Gebiet von St. Egidi/Šentilj und Ober St. Kunigund/Zg. Kungota.

Negau/Negova – So lebte hier wahrscheinlich auch eine deutschsprachige Bevölkerung, wahrscheinlich auf der Burg oder war irgendwie mit dieser verbunden.
Heilige Dreifaltigkeit in den Windischen Büheln/Sv. Trojica v Slovenskih goricah -Sehr wahrscheinlich sind die ersten deutschsprachigen in diese Orte gemeinsam mit den Ordensleuten gekommen oder in der Neuzeit als Untertanen der Herren von Mureck, die ja Eigentümer diese Orte waren.

Das Mur-Feld/Mursko polje – Doch keineswegs dürfen wir einen deutschen Bevölkerungsteil ausschließen. Die deutsche Bevölkerung in diesem Gebiet muss durchgängig zweisprachig gewesen sein. Zudem musste sie mit einem deutschen Umfeld in Kontakt gewesen sein, wenn sie die deutsche Sprache in einem mehrheitlich slowenischen Umgang bewahren wollte.

    Daraus kann neuerlich geschlossen werden, dass auf dem Land, auch dort, wo es keine beträchtliche deutsche Bevölkerung gab, einzelne deutsche Personen oder Familien lebten, die ihre Deutschkenntnisse im eigenen Haus und im Kontakt mit Städten oder Märkten bewahrten. Natürlich erfolgt anscheinend auf lange Sicht die sprachliche Assimilierung.

Pettauer Feld/Ptujsko polje – Im Hinblick darauf können wir annehmen, dass zumindest bis zum 16. Jahrhundert, als die Nachnahmen zu entstehen begannen, deutschsprachige Bevölkerung auf dem Pettauer Feld lebten. Diese haben sich sodann aufgrund ihrer geringen Zahl im 17. und 18. Jahrhundert wohl sprachlich assimiliert.

Drautal/Dravska dolina– Für den Großteil dieses Gebietes gilt, dass er im späten Mittelalter besiedelt wurde. In Unter-Feising/Spodnja Vižinga war im Jahr 1880 die Hälfte der Bevölkerung Deutsch, während in Ober-Feising/ Zgornja Vižinga und Heiligdreikönige/Sv. Trije kralji die deutschsprachigen die Mehrheit bildeten. Mahrenberg/Radlje war vollkommen deutschsprachig, ohne eine einzige Person, die Slowenisch als Umgangssprache angegeben hätte. Ebenso ist für das gesamte Gebiet des ehemaligen Bezirksgerichtes Mahrenberg belegt, dass es dort zur Zeit der ersten Sprachenerhebung von 1880 einen großen Anteil deutschsprachiger gab. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg der Anteil der deutschsprachigen, sodass es keinen einzigen Ort gab, in welchen nicht zumindest eine Person lebte, welche Deutsch als Umgangssprache pflegte- es waren sehr wenige Orte in denen es weniger als zehn deutschsprachige gab.

Mahrenberg/Radlje ist auch im Jahr 1921 bei Spracherhebung, trotz drastischen Rückgang der deutschen Bevölkerung das einzige Ort, mit Ausnahme von Marburg und Pettau, mit über 20 % deutschsprachigen geblieben. Dazu trugen sehr wahrscheinlich das landschaftlich geschlossene Gebiet des Drautales und die deutsche Landesbevölkerung bei. Erwähnenswert ist es das es schon 1880-1890 einen sehr geringen Anteil von deutschsprachigen am rechten Drau-Ufer zu verzeichnen war.

Zusammenfassung

     So können wir grob umreißen, dass sich die Verwendung der deutschen Sprache zu Ende des 18. Jahrhunderts in den Märkten und Städten ausbreitete. Auf der anderen Seite aber erstarkte der Gebrauch der slowenischen Sprache auf dem Lande, obgleich wir auch wissen, dass sich mitunter auch dort die deutsche Sprache ausbreitete. Ebenso zeigen die Nachnamen der einheimischen Bevölkerung von der sprachlichen Vielfalt. Zweifellos war das Gebiet zwischen Drau und Mur während der frühen Neuzeit sprachlich gemischt. Die Zweisprachigkeit neben der Muttersprache war unter der Bevölkerung wohl mehr verbreitet als wir uns heute vorstellen können.

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