Ein Familienroman aus dem Jahr 1914, der über ihren Großvater und der Gerberfamilie Wundsam am Ufer der Drau im Pettau erzählt
„Oh gesegnete Untersteiermark, du bist mein Heimatland!“ Diese Worte legte die steirische Schriftstellerin Anna Wittula (1868, Marburg-1918, Graz) in ihrem historischen Roman „Das Gerberhaus“ dem Sohn eines Pettauer Flößermeisters in den Mund, als er an einem schönen Sommertag Anfang der 1820er Jahre mit seiner Verlobten, Tochter eines Pettauer Gerbers, einen Sonntagsausflug in die Kollos-Berge machte.
Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass dieser Roman aus unserer Region aus einer für den slowenischen Leser fremden oder zumindest ungewohnten Perspektive geschrieben ist: Es ist die Geschichte einer Pettauer deutschen Bürgerfamilie, auch alle anderen Protagonisten sind Pettauer Deutsche. Die Slowenen spielen im Roman eine untergeordnete Rolle; sie sind Dienstmädchen, Gehilfen, Winzer im Kollos oder Bauern auf dem Markt in der Stadt. Und tatsächlich hatte Pettau damals eine deutschsprachige Mehrheit, ebenso wie die beiden anderen Hauptstädte der Untersteiermark, Marburg und Cilli, und einige andere auch. Aber das Umland war slowenisch.
Anna Wittula war ebenfalls deutscher Herkunft und schrieb in deutscher Sprache. Sie verbrachte ihr ganzes Leben in Österreich-Ungarn, der gemeinsamen Heimat der Steirerdeutschen und Slowenen. Den Zusammenbruch dieser Heimat, ihrer Untersteiermark, als sie unter den serbischen König fiel, hat sie nicht mehr erlebt, schreibt Maximilijan Fras zu Beginn des Vorwortes der slowenischen Ausgabe. Die slowenische Übersetzung von Jakob Emeršič erschien 2011, während das in gotischer Schrift verfasste Original im Jahr 1914, also vor mehr als hundert Jahren, in Wien veröffentlicht wurde.
Wer ist Anna Wittula, eine (Unter)Steierin, geboren in Marburg, als zweites von sechs Kindern des Grazer Südbahninspektors Julius Unger und ihrer Mutter Anna, geborene Landwehr, Tochter eines Malermeisters aus Pettau. Ihre Schulzeit begann sie in Wien, doch aufgrund der vielen Umzüge ihres Vaters, beendete sie ihre Ausbildung im Kloster in Ljubljana. Während eines kurzen Aufenthaltes in Pettau, bei ihrer Tante Laura Mayer lernte sie ihren zukünftigen Ehemann Fritz Wittula, einen Beamten der Südbahn, kennen. Sie heirateten im Jahr 1892.
Ihr erstes literarisches Werk, Das Gerberhaus, wurde in deutschen Zeitungen in Fortsetzungen veröffentlicht und fand schnell eine breite Leserschaft, und der Roman wurde auch rasch in Buchform veröffentlicht. Es ist ein Familienroman, der ihren Großvater beschreibt, die Lebensgeschichte der Gerberfamilie Wundsam, die in Pettau ein Haus direkt am Drau Ufer hatte.
Die Hauptfigur ist ihr Großvater – ein Ledergerber. Er war ein strenger Mann und hatte kaum Zeit für seine Kinder. Er arbeitete für sie hart und zeigte auf diese Weise, wie sehr er sie liebte.Der Roman basiert auf einer Familienchronik mit dem Titel Das Landwehrhaus, die sie ihrem Vater schenkte. Auf Drängen anderer entstand daraus der Roman, in dem die Autorin die Erinnerungen ihrer Eltern und Großeltern sowie ihre eigenen Jugenderinnerungen beschreibt. Sie erinnert sich, wie gerne die Unger-Kinder von Wien nach Pettnau kamen und die Ferien bei ihren Großeltern verbrachten.
Nach ihrem ersten Erfolg als Romanautorin veröffentlichte Anna Wittula ihre weiteren Romane in deutschen Zeitungen in Fortsetzungen, die alle nach ihrem Tod auch in Buchform veröffentlicht wurden.
Das Original „Das Gerberhaus“ wurde in deutscher Sprache verfasst, und eine slowenische Übersetzung wurde erst100 Jahre später veröffentlicht. Und warum? Das geht aus der besonderen Dankzusage am Ende der slowenischen Ausgabe hervor, in der der Verlag dem Übersetzer Jakob Emeršič, Maksimilijan Fras (Begleittext), Bogdan Novak (Autor des Buches Die Reben sterben im Stehen) und vor allem Franc Mlakar, dem Entdecker des alten zweisprachigen Pettau, seinen herzlichen Dank ausspricht. „Ohne Ihre Hilfe wäre diese Perle der mitteleuropäischen Kultur in Vergessenheit geraten“.
Eine weitere Buchneuheit ist schon bereit für den Druck.
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Redakteur: Jan Schaller
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