General Rudolf Maister übernahm am Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 durch einen Militärputsch die Macht in Maribor/Marburg an der Drau und beschloss willkürlich, dass Marburg slowenisch ist und ein integraler Bestandteil des entstehenden südslawischen Staates sein sollte.
In Wahrheit handelte es sich beim Militärputsch im November nur um eine militärische Übernahme, weil Marburg noch zwei Monate lang von einem deutschen Gemeinderat mit einem deutschen Bürgermeister, Dr. Schmiderer, regiert wurde. Einer der Hauptgründe für die mehr als zweimonatige „Verzögerung“ bei der Übernahme der Zivilverwaltung in Maribor war, dass der gesamte Beamtenapparat ausschließlich in den Händen der deutschen Bevölkerung lag und die neuen slowenischen Behörden nicht einmal über genügend slowenisch sprechendes Personal verfügten, das in der Lage gewesen wäre, den gesamten Beamtenapparat zu übernehmen.
Und selbst die Übernahme des offiziellen Teils der Stadt Marburg war nicht so einfach. Nun, am 3. Januar wurde der deutsche Bürgermeister Dr. Schmiderer zwangsweise degradiert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer deutschen Reaktion kommen würde, denn die deutschen Marburger hatten nicht die Absicht, die größte und wichtigste Stadt der Untersteiermark aufzugeben.
Obwohl die Stadt Marburg nach der Übernahme des Bürgermeisteramtes bereits in slowenischer Hand war, erwarteten die Marburger Deutschen den Besuch der alliierten Demarkationskommission unter der Leitung des amerikanischen Colonel Sherman Miles am 27. Januar 1919 mit großen Erwartungen, denn sie interessierte sich für die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung der Stadt Marburg.
Schon an Montagvormittag, dem 27. Januar 1919 waren die Straßen der Stadt voll mit Demonstranten. Mehr als 10.000 Demonstranten, meistens Deutsche, versammelten sich auf dem Hauptplatz, um von Oberst Miles zu fordern, dass Marburg und seine Umgebung deutsch bleiben. Die Menge drängte ins Rathaus zu kommen, das nur von zwanzig slowenischen Soldaten verteidigt wurde. Auch als die Warnschüsse in die Luft abgegeben wurden, löste sich die Menge nicht auf, der Druck nahm nur noch zu und die slowenischen Soldaten begannen direkt in die Menge zu schießen. Etwa fünfzig Schüsse wurden abgefeuert.
Der Platz vor dem Rathaus war blutüberströmt, die Menschen rannten in alle Richtungen und stolperten über die Toten und Schwerverletzten. Fünf Deutsche waren sofort tot, und von den 63 Verwundeten erlagen acht weitere im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Das Ergebnis des blutigen Montags waren 13 tote Deutsche.
Anlässlich des Jahrestages des Ereignisses, heuer am Dienstag, 27. Jänner 2026, veranstaltete der Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“ gemeinsam mit den Heimatvertriebenen in der österreichischen Steiermark eine kurze Gedenkfeier beim Pestdenkmal auf dem Hauptplatz in Marburg, wo auch Kerzen zum Gedenken angezündet wurden.
Anschließend erinnerten sich die Teilnehmer von beiden Seiten der Grenze in den Räumlichkeiten des Vereins an das Ereignis, das durch Schüsse auf Demonstranten die Angst der einheimischen Deutschen in Marburg bestätigte. Die neue slowenische/jugoslawische Regierung in Maribor hat somit die grundlegenden Menschenrechte der deutschen Bevölkerung in der Stadt – Recht auf Leben, Privateigentum und persönliche Freiheit – verletzt und immer mehr begrenzt.
Gleichzeitig nutzten die Anwesenden dieses Treffens, um die Termine der diesjährigen Veranstaltungen abzustimmen, mit dem Ziel, möglichst vielen Menschen von beiden Seiten der Grenze die Teilnahme an allen diesen Veranstaltungen zu ermöglichen, deren Anzahl mittlerweile nicht mehr so gering ist.
Text Jan Schaller
Foto Christine Hofmeister:
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Redakteur: Jan Schaller
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