10. TUGE GÖTTSCHEABARSCHEN KULTUR

Von links: Hans Jaklitsch, Ehrenpräsident des Vereins, Dr. Mirja Ferenc, Autor der Ausstellung, Franc Vovk, Bürgermeister von Dolenjske toplice, Österreichs Botschafterin in Slowenien Mag. Elisabeth Ellison-Kramer, die Direktorin des Regionalmuseums von Kočevje Vesna Jerbič Perko und der Vorsitzende des Gottscheer Altsiedler Vereins Primož Primec.

Dolenjske Toplice – Am Donnerstag, dem 6. Juni, begannen in Dolenjske Toplice/Töplitz in Unterkrain die traditionellen 10. Kulturtage der Gottscheer/ in Göttscheerisch 10. TUGE GÖTTSCHEABARSCHEN KULTUR, die von der Gemeinde Dolenjske Toplice in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gottscheer Altsiedler Verein unter der Schirmherrschaft des Kulturministeriums, mit einer nachmittäglichen Kochkurs – Herstellung von Pobolllitsa, einer speziellen Kuchen, das von den Gottscheern anlässlich von Festen und wichtigen Ereignissen zubereitet wird.

      Die Eröffnungsfeier der 10. traditionellen Tage der Gottscheer Kultur fand am Abend im großen Saal des Kulturzentrums Dolenjske Toplice statt, und im Foyer wurde die Wanderausstellung “Ehemalige deutsche Sprachinsel in Gottschee” von Dr. Mitja Ferenc eröffnet.

       Die Gottscheer sind eine deutschsprachige Volksgruppe, die auf der deutschsprachigen Insel lebte und immer noch lebt. Die Insel war einst 860 km2 groß, umfasste 177 Dörfer und beherbergte 28.000 Menschen.

     Die Deutschen in Gottschee wurden in den ersten drei Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts von den Grafen von Ortenburg aus Oberkärnten und Osttirol in Gottscheer Wald angesiedelt und lebten dort bis zu ihrer Pflichtauswanderung im Jahr 1941 in die Region Untersteiermark, neben Fluss Sawe. Nur einige Hundert konnten sich der Zwangsumsiedlung entziehen. Die meisten von ihnen blieben im Mosche Tal und in Pöllandl. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen fast alle umgesiedelten Gottscheer das damals neu entstandene Jugoslawien, entweder zwangsweise oder freiwillig. “Die Nachkommen, die heute in diesem Gebiet leben, verdienen es, dass ihre historische Siedlung als Tradition erhalten bleibt, und so hat unser Verein seit seiner Gründung im Jahr 1992 die grundlegende Aufgabe übernommen, die Identität der deutschsprachigen Gottscheer mit ihre Altdeutsch Sprache zu bewahren”, sagte Primož Primec, Vorsitzender des Gottscheer Altsiedler Vereines der seinen Sitz in Občice/Krapflern hat, wo sich auch ein Museum ihrer Kultur befindet.

      Bei der Eröffnungszeremonie der Jubiläumstage der Gottscheer Kultur sprach zu den anwesenden zuerst Urška Kop, die seit ihrer Kindheit Mitglied des Vereines ist und derzeit auch die Obfrau des Verbandes der Kulturvereine der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien ist. Sie sagte, sie fühle sich sehr geehrt und sei stolz darauf, dass die Gemeinde Dolenjske Toplice, die auch der Ideengeber dieser Tage ist, die Erhaltung der Gottscheer-Kultur und der Gottscheer-Sprache so stark unterstützt und auch finanziell fördert. Sie dankte auch dem Kulturministerium für seine Unterstützung, dass damit ihre Bemühungen anerkannt hat, und der österreichischen Botschaft, die den Vereinen in Slowenien finanziell und moralisch zur Seite steht.
Der Bürgermeister von Toplice, Herr Franc Vovk, wies darauf hin, dass der Verein der Gottscheer Altsiedler Verein eine sehr wichtige Rolle spielt, vor allem in der heutigen Zeit, in der wir von einem Europa der Nationen und von Multikulturalität sprechen, “und dass sie uns, auch durch die Kulturtage der Gottscheer, an bestimmte frühere Lebensweisen und Bräuche erinnern, die in diesen Orten üblich waren”.

      Die österreichische Botschafterin in Slowenien, Mag. Elisabeth Ellison-Kramer rief unter anderem dazu auf, “mit Selbstvertrauen und Stolz die Gottscheerische Sprache zu sprechen, die etwas Besonderes ist, und damit jeder weiß, dass nicht nur einige wenige von Ihnen sie noch sprechen, sondern viele von Ihnen. Ich freue mich auch, dass Sie in diesem Jahr das Veranstaltungsprogramm zweisprachig, Slowenisch-Gottscheerisch, vorbereitet haben, denn durch diese Förderung wir die Sprache nicht aussterben. Österreich und unsere Botschaft sind gerne bereit, Sie dabei zu unterstützen.”

       Die dreisprachige Wanderausstellung mit dem Titel “Die ehemalige deutsche Sprachinsel in Kočevje” wurde von ihrem Autor, Dr. Mitja Ferenc, vorgestellt: “1993 wurde mir nach mehrjährigem Sammeln und Studieren von Material die Möglichkeit geboten, die Ausstellung über deutsch Gottschee in der Burg Cekin in Ljubljana zu organisieren. Das verlorene Kulturerbe der Gottscher-Deutschen vorzustellen. Diese Ausstellung wurde dann 2014 in erweiterter Form in den Räumen des Regionalmuseums in Kočevje/Gottschee gezeigt und ist noch immer zu sehen.” Vor 17 Jahren schlug das Museumsteam unter der Leitung des damaligen Direktors Ivan Kordiš jedoch vor, eine weitere tragbare Plakatwand aufzustellen, um die Geschichte der Gottscheer auch an anderen Orten präsentieren zu können. “Und so entstand diese kleine Wanderausstellung, die vor 17 Jahren in Wien zum ersten Mal präsentiert wurde.”

      Die Plakatwände zeigen die ganze Tragik dieser grausamen Geschichte des ehemaligen deutschsprachigen Insel Gottschee, das sich über 800 Quadratkilometer erstreckte, sagte er. “Um es mit ein paar Zahlen zu verdeutlichen: Von den 177 Dörfern existieren mehr als 100 nicht mehr, sie sind vom Wald überwuchert, von den 123 Kirchen sind 95 zerstört oder verfallen, von den 400 Kapellen und Gedenksteinen konnten wir nur ein Zehntel finden, und von den 38 ehemaligen Friedhöfen sind die meisten abgerissen worden, die Grabsteine der Gottscheer-Deutschen entfernt. Aber zumindest sind die Friedhöfe – die wenigen, die noch vorhanden sind – noch heute zeugen von dieser Geschichte und dem kulturellen Erbe, das es heute leider nicht mehr gibt. die vorhandenen Grabsteine bezeugen, dass hier 600 Jahre lang eine deutsche Minderheit gelebt hat”, erklärte er und fügte hinzu, dass man nun zumindest versuche, dieses verlorene kulturelle Erbe durch Ausstellungen, Bücher und andere Mittel zu zeigen und so die Erinnerung an das wichtige kulturelle Erbe dieses Gebiets in Slowenien zu bewahren.

     Die Eröffnungsfeier wurde durch den Auftritt der Gesangsgruppe und der Kinderfolkloregruppe des Gottscheer Altsiedlers Vereins bereichert, sowie durch die Kinderfolkloregruppe der Grundschule aus Semič/Semitsch und die Schüler der Grundschule Dolenjske Toplice, Eneja und Tilen Sepaher.

Ein reichhaltiges Programm der 10. Tage der Gottscheer Kultur

     In den folgenden drei Tagen bis Sonntag fanden zahlreiche weitere Veranstaltungen aller Art statt. Am Freitagabend wurde im Museum des Gottscheer Altsiedler Vereins in Občice/Krapflern Filme über die Gottscheer gezeigt, bei dem Herr Herman Leustek das gesamte Filmarchiv der Gottschee Digital in Österreich über die Gottscheer präsentierte. In Österreich leben nämlich viele ausgesiedelte deutsch Gottscheer in Kärnten.

     Am Samstag begann schon früh das Gemälde Ex-Tempore 2024, und um 9:00 Uhr hielt Mihael Petrovič Jr. im August-Schauer-Saal in Kočevske Poljane/Pöllandl einen Vortrag, in dem er drei Geschichten über Gottscheer vorstellte, darunter eine über den Piloten und Flugzeugbauer Hans Ramor.

      Besonders feierlich wurde es wenig später, um 11:00 Uhr, in der nahe gelegenen Pfarrkirche St. Andreas in Kočevske Poljane/Pöllandl, als der Bischof von Novo mesto/Rudolfswerth, Dr. Andrej Saje, die zweisprachigen Messe zelebrierte. Die feierliche Atmosphäre wurde durch den Kammerchor Hugo Wolf aus Maribor/Marburg noch bekräftigt, weil die während der Messe einige dem Anlass entsprechende geistliche Lieder sangen.

     Fröhlicher ging es am Samstagnachmittag, ebenfalls in Kočevske Poljane/ Pöllandl, beim Gartenfest zu, wo die Musiker Topliška pomlad die Anwesenden unterhielt und die Mitglieder des Gottscheer Altsiedler Vereins natürlich noch einige weitere kulturelle Beiträge vorbereitet hatten. Die Kinder Gesangs-Folkloregruppen des Vereins, die Folkloregruppe Izvir und die Volkssänger Rožce und Cantate Domino aus Kočevje/Gottschee traten auf

       Am letzten Tag, dem Sonntagmorgen, fand eine Buchpräsentation des Ehepaars Riedl statt, das ein 1000-seitiges Buch “Gottschee lebt ” gedruckt hat, ein richtiges Lexikon über die deutschen in Gottschee. Anschließend besuchten sie die Ruinen der Dörfer Stari Tabor/ Alttabor und Novi Tabor/ Neutabor und zum Schluss der zehnten Gottschee Kulturrage machten die anwesenden noch einer Führung durch das Museum des Gottscheer Altsiedler Verein in Občice/Krapflern, der natürlich auch andere Besucher einlädt.

Dreisprachige Wanderausstellung "Ehemalige deutsche Sprachinsel in Kočevje"

Die Tafeln zeigen die Tragödie, die grausame Geschichte des ehemaligen deutschen Sprachgebiets in Gottschee.

Präsentation von Filmen über das deutsche Gottschee. Am interessantesten waren die Kommentare der Besucher. "Schaut euch im Film an, wie jung ihr damals wart."

Ex Tempore

Erinnerung Foto von der Heiligenmesse. Die feierliche Atmosphäre wurde durch den Kammerchor Hugo Wolf aus Maribor/Marburg noch bekräftigt

Kinderchor und Folkloregruppe des Gottscheer Altsiedler Vereins

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